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Anmerkung: Hier kommt das nöchste Kapitel. Biel Spaß damit. Ich wünsche euch frohe Weihnachten ;)

Die Qual der Wahl
Teil 2

„Shane?“, Miss Parker kam vom Bad ins Gästezimmer getapst. „Hey, alles in Ordnung?“
Shane warf sein Jackett aufs Bett. „Meine Schwester liegt im Koma und wird von einem Haufen unfähiger Ärzte umgeben. Was glaubst du also wie es mir geht?“, fragte er gereizt.
Miss Parker senkte den Blick.
„Hey, tut mir Leid, Parker“, Sahne seufzte. „Ich bin einfach etwas angespannt“, erklärte er und nahm sie in die Arme.
„Schon in Ordnung“, sagte sie. „Ich wäre froh, wenn ich einen Bruder hätte der sich solche Sorgen um mich macht. Lyle würde jetzt schon meinen Beerdigung feiern“, sagte sie.
„Lyle ist ja auch... na ja Lyle“, sagte Shane.
Miss Parker setzte sich aufs Bett. „Hast du deiner Mutter Bescheid gesagt.“
„Ja, sie wollte sofort kommen, aber ich habe ihr geraten noch zu warten“, er räusperte sich. „Lass uns von was anderem reden. Wie war es bei Jarod?“
Miss Parker zog eine Augenbraue hoch. Sie redeten nie über die Arbeit, das war eine Stille Übereinkunft zwischen ihnen gewesen. „Na ja, wir haben ihn nicht gekriegt. Er war mal wieder schneller“, sie wusste nicht warum sie log, doch es erschien ihr als richtig.
Shane nickte. „Irgendwann kriegst du ihn“, sagte er zuversichtlich.
Ihr war klar, dass er sie aufmuntern wollte, doch der Schuss ging nach hinten los. Dennoch versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen.
Shane nahm ihre Hand und musterte sie. „Etwas ist nicht in Ordnung mit dir!“ Das war keine Frage.
Sie seufzte. „Es ist nichts. Ich bin einfach müde.“
„Hm“, es klang nicht überzeugt, aber Shane stand auf. „Ich gehe duschen und du solltest schlafen.“
Egal was sie sagte, irgendwas war mit ihr, das merkte er sofort. Schon allein die Erklärung, dass sie noch etwas aus Jarods Wohnung abholen wollte und er sie deshalb dort abholen sollte, war ihm ein wenig seltsam vorgekommen. Und obwohl er ziemlich mit seiner Schwester Holly beschäftigt gewesen war, hatte er gemerkt, dass sie den ganzen Tag über still und in sich gekehrt gewirkt hatte.
Wie immer versuchte sie natürlich es nicht zu zeigen, doch in den letzten Wochen ging es ihr nicht besonders gut. Sie hasste es Jarod zu jagen. Sie hasste es im Centre zu arbeiten und sie hasste es jeden Tag Raines zu treffen. Am allermeisten aber hasste sie es akzeptieren zu müssen das Raines ihr Vater war.
Lautstarke Auseinandersetzungen der Parker-Zwillinge waren jeden Tag aufs neue vorprogrammiert und niemand wusste genau worum es dabei eigentlich ging.
Sie jedoch sprach zur selten mit ihm darüber. Sie sagte einfach immer es sei alles in Ordnung und wechselte dann das Thema.
Das nicht alles in Ordnung war, merkte Shane jedoch spätesten, wenn sie nachts schweißgebadet und völlig verschreckt neben ihm im Bett saß.

*~*~*

„Parker! Parker!“
„Hm?“, schläfrig öffnete sie die Augen. „Warum bist du angezogen?“
„Holly ist aufgewacht“, erklärte Shane hektisch.
„Oh ... au“, sie richtete sich auf und kniff die Augen zusammen. „Das ist schön“, sie massierte sich die Schläfen. „Fahren du und Nick jetzt gleich?“
„Ja, deshalb wollte ich dich fragen ob du solange ein Auge auf Meryl wirfst.“
„Ihr nehmt sie nicht mit? Glaubt ihr nicht, dass sie ihre Mutter sehen will?“
„Sie kann sie morgen sehen. Das würde sie nur verstehen, außerdem schläft sie noch“, erklärte er.
„Okay.“
„Danke“, er küsste sie auf die Stirn und wirbelte dann davon.

*~*~*

Als sie wieder kamen fanden sie Miss Parker und Meryl in der Küche vor.
„Bitte lass das los“, sagte Miss Parker entnervt und nahm Meryl den Löffel aus der Hand. „Oh, hi.“
„Daddy! Shaniee!“, Meryl riss sich von Miss Parker los und stürmte auf die beiden Männer zu.
„Na Kurze“, Shane wuschelte Meryl durch die Haare und ging zu Miss Parker. „Du siehst ja heiß aus.“
„Ja, ich hab gehört Waffelteig ist jetzt total angesagt“, erwiderte sie trocken.
„Und den trägt man auf der Nase?“
„Auf der Nase, auf den Gucci Stiefeln, auf dem Hilfiger Shirt. Einfach überall.“
Shane lachte. „Meryl wollte Waffeln zum Frühstück?“
„Sie ist um 6 Uhr aufgestanden und ich konnte sie nicht bewegen weiter zu schlafen. Dann hat sie so lange rumgenörgelt bis ich ihr dann doch Waffeln gemacht hab und natürlich wollte sie unbedingt helfen“, erklärte sie. „Kinder sind doch was wunderbares.. Nichts für ungut Nick.“
Nick, der gerade versuchte seine Tochter zu bändigen, nickte nur.
Shane grinste. „Du kannst jetzt duschen gehen.“
„Ach, ich dachte ich sehe heiß so aus?“, sagte sie und machte Kulleraugen.
„Was auch immer du heute genommen hast, ich will auch was davon“, sagte er.
„5 Asperin und eine dreijährige mit Waffel-Tick“, zählte sie auf. „Wie war's im Krankenhaus?“
„Es geht Holly erheblich besser als man erwartet hätte. Was aber nicht heißt, das alles wieder in Ordnung ist. Wenn ich diese Schweine erwische...“
„Shane!“, Miss Parker deutete auf Meryl. „Ich geh duschen“, sagte sie scharf. „Wir reden später darüber.“

*~*~*

„Das ist kein Spiel, Shane“, Miss Parker verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich verstehe dich ja-“
„Das ist das Problem, Parker. Du verstehst mich nicht. Du hattest nie eine kleine Schwester-“
„Ich hatte Faith“, fuhr sie ihn an.
Shane Miene wurde weicher. „Ja, natürlich. Aber du musst zugeben, dass das etwas anderes war. Holly und ich habe so viel zusammen durch gemacht.“
„Das weiß ich, Shane. Aber sieh dich doch mal um. Sie hat ihr eigenes Leben.“
„Wieso habe ich das Gefühl, dass wir vom Thema abschweifen?“, fragte Shane wieder eine Spur härter.
Miss Parker schlug die Augen nieder und sagte: „Ich will nur nicht das du etwas unüberlegtes tust.“
„Vertraust du mir nicht?“, Shanes Augenbraue wanderte langsam nach oben.
„Natürlich vertraue ich dir“, erwiderte sie. „Das hier führt doch zu nichts. Ich bitte dich inständig die Polizei machen zu lassen. Das war eins der 'besseren' Viertel von Manhattan und sie werden die Kids die das waren finden.“
„Du hast es selbst gesagt. Die Väter dieser Blagen sind reich und einflussreich. Die sind schneller wieder draußen, als du Kaution sagen kannst!“
Miss Parker ging zur Tür. „Wie du meinst. ich wünschte, du würdest meinen Wunsch einfach respektieren“, sagte sie müde und wollte Shane allein in dem geräumigen Gästezimmer zurücklassen.
„Parker..“
Sie wandte sich um. „Was?“
„Es tut mir Leid. Ich wollte dich nicht so anfahren“, entschuldigte er sich.
Sie schloss die Tür wieder, verschränkte die Arme und sah ihn erwartungsvoll ein.
„Du hast Recht. Die Polizei wird das erledigen und ich sollte mich nicht da einmischen“, fuhr er fort.
Sie lächelte. „Da bist du dir sicher?“
„Natürlich. Ich verspreche es.“
„Weist du Shane, es ist wirklich nicht so, als ob ich dich nicht verstehen würde. Im Gegenteil, wäre sie meine Schwester hätte ich ich wahrscheinlich ähnlich reagiert, aber-“
Shane zog sie in seine Arme. „.. du willst nicht das ich etwas tue was ich später bereue.“

*~*~*

„Und es ist auch wirklich okay, wenn wir jetzt fahren?“, fragte Shane.
Holly lachte. „Natürlich. Es geht mir gut. Außerdem bringt Parker mich um wenn du noch länger hinter mir her jammerst, Bruderherz!“
„Sie hat recht. Tschüss Holly“, Miss Parker umarmte sie kurz und verabschiedete sich dann auch von Nick und Meryl.
Dann ging sie zur Tür und wartete bis Shane fertig war.
Meryl winkte ihnen hinterher.
„Wer hätte gedacht, dass du so sehr auf deine Schwester fixiert bist“, sagte sie während sie eilig den Gang im Krankenhaus hinab schritten.
„Ich bin nicht auf meine Schwester fixiert!“
„Wie du meinst. Wir sollten uns lieber beeilen, sonst verpassen wir noch den Flug.“

*~*~*

Zwei Wochen später lief alles wieder seinen gewohnten Weg.
Miss Parker hatte an diesem Abend etwas eher Feierabend gemacht während Shane noch mit einigen Kollegen weggegangen war.
Nun tigerte sie, Jarod am Telefon, durch das Schlafzimmer und hörte ihm aufmerksam zu.
„... jeden falls habe ich Shanes Exfrau Sarah getroffen. Zuerst hatte ich natürlich keine Ahnung wer sie war, aber das spielt wohl kaum eine Rolle-“
„Mich interessiert nicht, mit wem sie in New York ausgegangen sind“, fuhr sie dazwischen.
„Was ich sagen wollte ist, das sie mir erzählt hat, dass Shane eines Abends betrunken nach Hause gekommen ist. Er hat sie Kontrolle verloren und sie zusammengeschlagen“, fuhr Jarod sachlich fort.
Miss Parker keuchte. „Was... ich.. also ich habe ihn überprüfen lassen, es lag keine Anzeige gegen ihn vor.“
„Sie hat ja auch keine Anzeige erstattet“, erklärte Jarod. „Sie sagte, es ging Shane danach so gar noch viel schlechter als ihr und dass sie ihn noch nie so gesehen hatte.“
Miss Parker lies sich aufs Bett sinken. „Warum haben sie mir das nicht früher erzählt?“
Jarod zögerte. „Alle sagten, dass sie und Shane so glücklich seien und ich dachte-“
„Wenn sie nur lange genug warten, dann können sie mir damit richtig weh tun?“, fuhr sie zornig dazwischen.
„Das ist nicht wahr und das wissen sie auch“, sagte Jarod nachdrücklich.
„Na gut, wenn es stimmt was sie sagen, warum erzählen sie es mir jetzt?“
Jarod wurde einfach nicht schlau aus ihr. Er seufzte. Jetzt kam der schwierige Teil. „Also... Sie wissen doch das Holly versehentlich angeschossen wurde?“
„Jaaa. Und?“
„Na ja, die Polizei hat die drei Täter gefasst, aber sie wurden fast sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Und zufälliger Weise wurden alle drei innerhalb der letzten zwei Wochen tot aufgefunden“, sagte er vorsichtig.
Miss Parker stockte. „Shane?“
Jarod seufzte. „Er hat ein paar Centre-Killer auf sie angesetzt.“
Miss Parker fuhr wieder hoch. „Das darf doch nicht wahr sein!“, wütete sie. „Wir hatten darüber gesprochen und er hat mir versprochen dass er seien Finger davon lässt! Entschuldigen, sie Jarod, aber ich glaube er kommt gerade nach hause.“ Sie drückte das Gespräch weg und warf das Telefon aufs Bett. Dann stürmte sie nach unten.

*~*~*

„Shane!“, sie kam die Treppe runter gepoltert.
„Hi“, Sahne zog die Tür zu und warf einen Blick in ihr wutentbranntes Gesicht. „Was ist los?“
Schon stand sie vor ihm. „Warum fragst du nicht die Eltern von drei toten Teenagern?“
Shane konnte seine Überraschung ziemlich gut verbergen. Er hängte seine Jacke auf. „Ich weiß nicht wovon du redest.“
„Ach jetzt tu doch nicht so! Verdammt du hast versprochen“, wütete sie.
„Parker, beruhig..“
„Sag mir nicht, ich soll mich beruhigen. Das waren Kinder, Shane. Und sie waren von oben bis unten zugekokst“, sie seufzte. „Die wussten doch gar nicht was sie tun!“
„Ach, jetzt hör aber auf. Die wussten ganz genau was sie tun“, sagte Shane.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe wirklich gedacht, du wärst nicht wie die anderen sadistischen Vollidioten im Centre, Shane. Aber wie es aussieht hab ich mich geirrt.“
Shanes Augenbrauen wanderten nach oben. „Sadistischer Vollidiot?“
Sie sah ihn unverwandt an. „Ich schätze das nennt sich Berufsrisiko, dein Job ist es dafür zu sorgen, das Menschen sterben. Du killst die die dir ein Dorn im Auge sind und schlägst deine Frau..“
„Wer hat dir das erzählt?“, fragte Shane zornig.
„Das spielt keine Rolle. DU hättest es mir erzählen müssen!“
„Es war Jarod, richtig?“
„Ja. Und?“
„Natürlich. Du und Jarod. Jarod und Parker. Warum heiratest du ihn nicht gleich?“, höhnte er.
Das war zu viel für Miss Parker, sie holte aus, doch Shane fing ihre Hand auf und hielt sie am Handgelenk fest.
„Du bist eifersüchtig auf Jarod? Auf Jarod??“, fragte sie. „Das ist das bescheuerte was ich je gehört habe“, sie zog an ihrer Hand.
„Nein, wirklich? Den ganzen Tag dreht sich deine Welt nur um Jarod..“, sein Griff wurde fester.
„Das ist mein Job!“, sie versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch er fasste auch nach ihrem anderen Arm.
„Dann sollte das Thema erledigt sein, wenn du nach hause kommst, aber nein es muss erst man noch stundenlang am Telefon gequatscht werden und kaum lässt unser kleines Genie etwas schlechtes über mich verlauten stürmst du wie eine Furie auf mich los.“ Sagte er und griff noch fester zu.
„Was redest du eigentlich für eine Scheiße?“, schrie sie. „Und verdammt noch mal du tust mir weh!“, wieder versuchte sie sich aus seinem Griff zu befreien.
Shane ließ sie los und stieß sie so heftig zurück das sie an die Wand knallte und sich fest halten musste um nicht zu Boden zu gehen. Mit großen Augen sah sie ihn an.
„Du solltest ihn hassen. Du solltest ihn fangen, aber stattdessen hilfst ihm wenn einer seiner dämlichen kleinen Jobs mal schief geht“, Shane verschränkte die Arme vor der Brust.
Miss Parker zögerte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Weder damit, dass er handgreiflich wurde, noch dass er wusste was in New York wirklich gewesen war. „Na schön.. vielleicht bin ich im Moment nicht im Stande Jarod zu fangen. Aber das hat nichts mit uns zu tun“, sagte sie schließlich und fasste sich an den schmerzenden Hinterkopf. Sie sah Shane an. Selbst im Halbdunklen konnte sie sehen, dass sich etwas in seinen Augen verändert hatte. Plötzlich hatte sie Angst vor ihm und das beunruhigte sie am allermeisten, denn es war normalerweise ein sicheres Warnsignal. Aber natürlich wollte sie sich das nicht anmerken lassen. „Ich mag Liz auch nicht. Trotzdem flippe ich nicht jedesmal aus wenn du dich mit ihr triffst! Sieh dich bloß an. Du hast drei Menschen umgebracht die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten und willst mir erzählen wie ich mit Jarod umgehen soll. Danke, aber auf deinen Rat kann ich verzichten“, sagte sie hitzig.
„Ich hab sie nicht umgebracht!“
„Nein, du hast nur den Befehl dazu gegeben. Wir wollen uns ja die Finger nicht selber schmutzig machen! Wer ist als nächstes dran? Ich vielleicht?“
„Du solltest ganz vorsichtig sein, mit dem was du sagst, Missy“, Shane holte aus und schickte sie zu Boden „Sonst könnte es nämlich sein, dass ich mich vergesse“, erklärte er ruhig. Er beugte sich zu ihr runter und fasste sie an den Schultern und seine Stimme wurde wieder lauter: „Du tust ja so als ob du sowas noch nie gemacht hättest. Du bist nicht die einzige die mich überprüft hat. Du würdest doch alles machen was Daddy sagt und wenn du dienen eigenen Bruder abknallen musst.“
„Ich wusste damals nicht, dass Lyle mein Bruder ist!“, sie versuchte sich von seinem Griff zu befreien, als es ihr nicht gelang, trat sie nach ihm Shane stolperte nach hinten, so hatte sie Zeit sich wieder aufzurappeln.
„Das war ganz falsch“, sagte Shane, der schon wieder auf den Beinen war. Ein weiters Mal ließ er Miss Parker gegen die Wand knallen, diesmal schlug sie mit der rechten Seite auf. Sie konnte Sternchen sehen und sich nur noch mit Mühe bei Bewusstsein halten, schon traf Shanes Faust sie ein weiters Mal.
Mit aller Kraft versuchte sie sich zu wehren. Sie war ausgebildet worden, doch Shane war größer und viel stärker als sie, trotzdem gelang es ihr irgendwie sich wieder halbwegs aufzurichten, aber natürlich war Shane wieder schneller, er traf sie am Brustkorb.
Nach Luft schnappend , versuchte sie Shane von sich wegzustoßen, doch es gelang ihr nicht. Dann viel ihr etwas ein. Sie griff hinter ihn und holte seine Waffe hervor.
Sie entsicherte sie und hielt sie Shane ins Gesicht. „Runter von mir“, keuchte sie heiser. „Und jetzt raus.“
Shane sah sie noch einen Augenblick an, dann drehte er auf dem Absatz um und ging zur Tür.
Miss Parker legte die Waffe weg, wischte sich Blut aus dem Mundwinkel und versuchte aufzustehen. Es gelang ihr nicht, also blieb sie einfach sitzen und starrte in die Dunkelheit.

*~*~*

„Sydney?“
Sydney brauchte einen Moment um die Stimme zu erkennnen. „Miss Parker? Ist alles in Ordnung?“
Schweigen.
„Hören Sie mich?“
„Was?“
„Ist alles in Ordnung?“, wiederholte Sydney strinrunzeld.
„Nein“, sagte sie immer noch in diesem merkwürdig hohem Tonfall, der ihn sehr beunruhigte.
„Was ist passiert?“
„Ich.. Jarod.... und Shane.. also wir.. und“, ihre Stimme erstarb.
„Soll ich her kommen?“, fragte Sydney sanft.
Miss Parker nickte, dann viel ihr ein, dass er sie ja gar nicht sehen konnte. „Ja... aber nur wenn das in Ordnung ist für Sie.. ich meine..“
„Es ist in Ordnung. Ich bin in ein paar Minuten da“, erwiderte er. Er machte sich Sorgen um sie.

*~*~*

Irgendwann hatte Miss Parker es doch geschafft aufzustehen. Sie wusste nicht genau was sie dazu bewegt hatte Sydney anzurufen, genauso wenig wie sie wusste was mit ihr los war.
Sie hatte schon eine Menge erlebt und sie hatte es einfach immer geschafft stark zubleiben und ihre Eismaske aufzusetzen. Sie versuchte es doch dieses mal klappte es einfach nicht. Sie wollte ihre Gefühle abschirmen und an nichts denken, doch auch dieser Versuch scheiterte. Sie kamen und ging so schnell, dass Miss Parker sie nicht einmal richtig erfassen konnte.
Eine Art Panikanfall überkam sie. Mit ihrer perfekten kleinen Fassade hatte man ihr ihren einzigen Schutz genommen.
Ein Geräusch an der Tür lies sie zusammen zucken.
„Miss Parker“, rief Sydney leise.
„Wohnzimmer“, rief sie zurück.
Sydney schloss die Haustür hinter sich und ging ins Wohnzimmer.
Miss Parker saß in eine Decke gewickelt auf dem Sofa.
„Mein Gott!“, entfuhr es Sydney. Er starrte Miss Parker an. Ihre Lippen waren aufgeplatzt. Ein paar Kratzer und Schürfwunden zierten ihr Gesicht. „Miss Parker, denken sie nicht sie sollten vielleicht zu einem Arzt...“
„Nein, das ist halb so schlimm“, erwiderte sie tonlos. „Nur ein paar Kratzer.“
Sydney setzte sich. „Shane also?“
Sie nickte und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Sydney konnte sehen, dass ihr Handgelenk rot und blau angelaufen war.
Sie begann zusammenhanglos und schnell zu erzählen, so dass er Schwierigkeiten hatte ihr zu folgen.
„Sie haben kein Wort verstanden, oder?“, sagte sie schließlich schief lächelnd.
„Es ging. Versuchen Sie sich zu beruhigen und dann probieren wir es noch mal“, sagte er ruhig.
Sie musterte ihn kurz. „Damit eins klar ist“, sagte sie plötzlich wieder in ihren gewohnt scharfem Ton. „Sie werden niemanden und ich meine wirklich niemandem etwas erzählen!“
„Natürlich nicht!“, versicherte Sydney ihr.
Es überraschte Sydney nicht, dass sie auf Carthis begann und nicht an dem Zeitpunkt an dem sie Shane kennen lernte. Er unterbrach sie nicht. Er unterbrach sie nicht sondern lies sie einfach reden.
„Auf der Insel war plötzlich alles anders. Mit Jarod zusammen zu arbeiten statt ihn zu jagen war seltsam und als ich wiederkam, war ich verwirrt. Mein ganzes verdammtes Leben war eine Lüge, Sydney und er wusste das, er wollte, dass ich es sehe und plötzlich wusste ich nicht mehr... die Dinge zwischen mir und Jarod waren nie einfach. Raines und Lyle haben aus der Jagd ein krankes, sadistisches Spiel gemacht. Mir blieb also keine Wahl als mit zuziehen. Ich lies mich mehr auf Jarod ein und hab mir vorgemacht ich würde es nur tun, um bei der Suche nach ihm weiter zukommen“, sie schüttelte den Kopf. „Ich hab mir selbst eine Grube gebaut. Mir wurde jeden Tag nur noch bewusster, wie sehr ich ihm schaden konnte. Dann tauchte Shane auf und es wurde wieder leichter. Er brachte seine eigene heile Welt mit sich und er lies mich mit rein, ich schätze an diesem Punkt habe ich entgültig vergessen das er ein Killer ist. Alles schien einfach, auf eine kranke Art und Weise, perfekt. In New York änderte sich schließlich alles. Ich habe ihn angelogen und doch von ihm erwartet, dass er sein Versprechen mir gegenüber hält und sich nicht in die Sache um seine Schwester einmischt“, sie seufzte und zog die Decke enger um sich, als würde sie frieren. „Jarod hatte mich gewarnt, wissen Sie? Er sagte etwas wie ich wäre zu blind um zu sehen wie Shane wirklich ist. Ich dachte es läge an Drogen“, sie seufzte. „Er hat mich heute angerufen und mir erzählt, dass Shane seine Frau geschlagen und die Kids die Holly angeschossen haben, umbringen lassen hat. Ich war wütend und habe auf Shane eingeschrieen. Er fragte ob ich es von Jarod wüsste und sagte er wüsste, dass wir ihm geholfen haben. Er ist furchtbar eifersüchtig geworden und ausgeflippt.“ Tränen liefen über ihre Waffen und ihre Stimme versagte nur endgültig. Sie schlug die Hände vor das Gesicht.
Sydney stand auf und legte ihr schweigend die Hände auf die Schultern.
Einen Moment verweilten sie so, dann sagte sie: „Gott, wie peinlich“, sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Das ist nicht peinlich, Miss Parker“, sagte er sanft. „Das ist nur menschlich.“
Sie wandte sich zu ihm um. „Danke, Syd. Für's zuhören.“
Er nickte. „Glauben Sie Sie können schlafen? Oder soll ich hier bleiben? Ich könnte ihnen auch ein Beruhigungs-Mittel geben?“
„Sind Sie verrückt? Ich hab Alkohol intus. Ich würde nie wieder aufwachen“, sagte sie.
Sydney lächelte. Sie schien sich erstaunlich schnell wieder zu fangen. „Miss Parker, wenn ich sie richtig verstanden habe, dann glauben Sie nicht, dass Sie Jarod zurück bringen können. Nicht einmal, wenn Sie wirklich die Chance dazu hätten?“
Sie sah weg und schwieg. Er hatte Recht und das wollte sie sich nicht eingestehen.
Sydney versuchte ihren Blick aufzufangen. „Würden Sie es für möglich halten, dass sie Shane als ... eine Art Ersatz für Jarod ansehen?“
Miss Parker starrte ihn an. Dieser Gedanke war ihr noch nicht gekommen. „Nein“, sagte sie dann fest und kalt. „Ganz sicher nicht. Shane und Jarod ähneln sich überhaupt nicht, dass wissen Sie doch“, sie zog eine Augenbraue nach oben und ihr Ton machte deutlich, dass sie keinen Widerspruch dulden würde.
Sydney nickte. „Sie lieben Shane, nicht war?“
Sie rutschte auf ihrem Platz hin und her. „Ja“, sagte sie langsam. Sie wusste nicht worauf Sydney hinaus wollte. „Was soll das werden?“
Er sah ein, dass es keinen Zweck mehr hatte. Sie hatte sich wieder gefangen und begann bereits ihre Mauer wieder aufzubauen. Er schüttelte den Kopf. „Miss Parker, ich denke, sie sollten sich vielleicht ein paar Tage frei nehmen und irgendwo hin fahren, wo sie nicht ständig an das Centre, Shane oder Jarod erinnert werden.“
Sie verschränkte die Arme. „Ich muss Jarod fangen.“
„Sie haben selbst gesagt, dass sie sich im Moment nicht dazu in der Lage sehen. Selbst wenn sie die Möglichkeit hätten“, erwiderte Sydney.
„So habe ich das nicht gesagt“, murmelte sie schwach. Sie seufzte. „Na schön. Aber nur kurz.“

*~*~*











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