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Nach der gleichnamigen Serie THE PRETENDER von Craig W. Van Sickle und Steven Long Mitchell

Rechtliche Hinweise:
Die bekannten Charaktere der Fernsehserie 'The Pretender' gehören MTM, NBC und TNT. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen anderer Fans wie uns geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt.

Summary: Das Leben ist voller Überraschungen, sie treffen einen immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet – leider!!!




Der Auftrag



Ms. Parker


„Bist Du sicher das Du ihm trauen kannst?“ Der Alte Parker sah seine Frau abwägend an. „Es gibt nicht sehr viele Menschen, denen ich traue, aber er gehört dazu.“ Brigitte sah ihren Mann seltsam an. „Nun gut, wenn Du es sagst, Darling.“ Der Alte Parker drehte sich um. „Wann wird er kommen?“ Wollte er noch wissen. Brigitte stand vor dem Spiegel und betrachtete ihren Bauch in dem ihr Baby heranwuchs. „Er ist schon da! Er ist da genau wie ich, wenn er einen Auftrag hat, dann nimmt er ihn sehr ernst.“ Parker lächelte unecht. „Schön zu hören.“ Damit war das Gespräch für ihn beendet. Brigitte drehte sich um und drehte ihren Mann den Rücken zu. Er brauchte nicht wissen, das es sich bei „ihm“ um eine „sie“ handelte. Sie musste schließlich so vorsichtig wie möglich sein.


„Jetzt bleiben Sie doch mal stehen, verdammt noch mal.“ Lyle griff nach dem Arm seiner Schwester und zog sie mit sich hinter die schützende Säule im Center. „Lassen Sie mich los“, schnarrte Miss Parker und entzog ihrem Bruder ihrem Arm. „Wir müssen reden“, beharrte er. „Ich wüsste nicht über was“, entgegnete sie und ihre Nasenflügel bebten. „Parker, es ist wichtig, es geht um mein... unseren Vater“, verbesserte sich Lyle rasch. „Was ist mit Dad?“ Parker rückte ein Stück näher an Lyle heran, obwohl sie ihn nicht ausstehen konnte. „Nicht hier, wir treffen uns um acht im Hidden True!“ Lyle ging an ihr vorbei und ließ sie einfach stehen. „Ausgerechnet“, murmelte Parker wütend vor sich hin und ging ebenfalls weiter.


Die dunkelhaarige Frau hatte es sich im Auto so bequem wie möglich gemacht. Auf dem Beifahrersitz stand eine Thermoskanne mit heißen Kaffee und daneben lag ihre Waffe einsatzbereit. Das Gewehr hielt sie schussbereit in der Hand. Die beiden Personen auf die sie angesetzt war, saßen an einem Fensterplatz im chinesischen Restaurant The Hidden True, so das sie die beiden gut sehen konnte ohne sich groß verrenken zu müssen. Entgegen der Aussage von Brigitte, das die beiden sich nicht leiden konnten, schienen sie sich im Moment sehr gut zu unterhalten. Sie zuckte mit den Schultern und ließ ihren Blick in die Umgebung schweifen, im Moment gab es allerdings nicht auffälliges.


„Wollen Sie mir sagen, das nicht nur auf Dad ein Mordauftrag läuft, sondern auch auf uns?“ Parker sah Lyle fassungslos an. „Ja! Spreche ich chinesisch?“ Wollte Lyle genervt wissen. Parker lehnte sich zurück und nippte an ihrem Kaffee. „Woher wissen Sie das, Lyle?“ „Ich weiß es eben“, gab er zurück. „Und? Schon eine Idee, wie Sie dagegen vorgehen wollen?“

„Augen offen halten! Wir wissen ja nicht mal wer den Auftrag gestartet hat, geschweige denn wer ihn ausführen soll!“

„Lyle! Sie überraschen mich, Sie wissen doch sonst auch immer über alles bescheid!“ „Höre ich da Sarkasmus aus Ihrer Stimme?“ Parker zog nur die Augenbraue nach oben, ohne eine Antwort zu geben. „Haben Sie eine Idee?“ Wollte Lyle wissen. „Wenn mir eine einfällt, werden Sie es als erstes erfahren“, fuhr ihn Parker in gewohnter Manie an. Lyle verdrehte die Augen. „Ihnen ist doch hoffentlich klar das, dass hier kein Spiel ist?“ Parker kam wieder nach vorne. „Oh ja. Das ist mir sehr wohl bewusst!“ Beide schwiegen und sahen sich an.

„Gehen wir!“ Lyle warf einen Geldschein auf den Tisch und stand auf. Seine Schwester folgte ihm schweigend. Sehr ergiebig war ihr Gespräch nicht gewesen, aber jetzt wusste sie wieder etwas mehr. Sie würde schon auf sich aufpassen und wer weiß, wenn sie Glück hatte, wurde sie Lyle auf diese Art und Weise los.


Lauren rutschte in ihrem Sitz weiter nach unten um nicht gesehen zu werden, als die beiden das Restaurant verließen. Sie gingen zu ihren Fahrzeugen und stiegen ein, ohne noch weiter miteinander zu sprechen. Die Frau fuhr zuerst davon. Lauren sah niemanden der ihr folgte, doch als der Mann wegfuhr, bemerkte sie wie sich ein Wagen an ihn hängte. Lauren kam wieder nach oben und startete ebenfalls. Die Entscheidung wem sie folgen sollte, wurde ihr gerade abgenommen. Schnell stand für Lauren fest, das Lyle nach Hause fuhr. Der andere Wagen folgte ihm mit einem gewissen Sicherheitsabstand. Sie ging davon aus, das nichts passieren würde, bevor Lyle sein Apartment erreichen würde, so nahm sie eine Abkürzung.

Lyle parkte seinen Wagen vor dem Apartmenthaus und stieg aus. Es trennten ihn nur noch einige Schritte von der Tür, als der Schuss in seinem Rücken erklang. Lyle ließ sich augenblicklich fallen. Im Fallen zog er seine Waffe und rollte herum. Angestrengt sah er ins Dunkle. Doch er konnte nichts erkennen. Nur einen Wagen der mit hohen Tempo wegfuhr. Er ließ noch einige Sekunden verstreichen, ehe er sich erhob. Vorsichtig und mit der Waffe im Anschlag, ging er in die Richtung aus der, der Schuss erklungen war. Auf dem Parkplatz wäre er beinahe über die Leiche gestolpert. Lyle blieb ruckartig stehen und sah sich nach etwas verdächtigen um. Wer war der Kerl? Er bückte sich und durchsuchte ihn. Nichts. Außer das er schwarz war, ließ nichts darauf hinschließen das, das Triumphirat dahinter stecken könnte.

Lyle zählte zwei und zwei zusammen. Der Typ hatte es auf ihn abgesehen, soviel stand fest. Doch wer hatte ihn umgebracht? Ein Schuss – genau in den Hinterkopf. „Siehst nicht gerade sehr einladend aus, Junge“, brummte Lyle mehr zu sich selbst. Er war zwar kein Waffenexperte, doch der Schuss war unter Garantie aus einem Gewehr abgefeuert worden. Lyle ließ seinen Blick über den Parkplatz schweifen, doch er konnte nichts auffallendes entdecken. Also ging er zurück ins Haus. Die Leiche ließ er liegen. Irgendwer würde ihn schon finden, er wunderte sich nur, das noch niemand auf den Schuss reagiert hatte. Lyle zuckte mit den Schultern und verschwand ins Innere des Hauses.


Lauren trat hinter dem Baum hervor, ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Als sich die Tür hinter Lyle Parker schloss ging sie zu ihrem Wagen und fuhr weg. Zwanzig Minuten später parkte sie ihren Wagen vor Miss Parkers Haus. Nichts verdächtiges zu entdecken. Lauren glaubte zwar nicht daran, das nach dem missglückten Attentat auf Lyle ein weiteres auf seine Schwester stattfand, doch wissen konnte man es nie. Im Haus war alles still, vorsichtshalber griff Lauren nach ihrem Handy und wählte Parkers Nummer. Nach dem fünfen Klingeln hob Miss Parker ab und ihre verschlafene Stimme war zu hören. „Ja?“ Lauren legte wieder auf und machte es sich in ihrem Sitz bequem. Brigitte hatte ihr nicht zu viel versprochen. Auf die beiden aufzupassen, schien ein Vollzeit Job zu werden.


Zwei Tage passierte so gut wie gar nichts und Lauren gönnte sich eine Pause, einmal musste sie schließlich auch schlafen – wenn auch nur kurz. Das missglückte Attentat auf Lyle schien die Mörder vorsichtiger werden zu lassen. Lyle machte es ihr leicht. In diesen zwei Tagen schien er das Centre so gut wie nicht mehr verlassen zu wollen. Was Lauren nur recht war, dafür war seine Schwester um so aktiver. Lauren verfolgte sie quer durch die Stadt. Sie traf sich zweimal mit ihrem Vater. Gerade eben war sie wieder im Begriff sich von ihm zu trennen. Der Alte Parker war gerade verschwunden und Miss Parker stand noch immer etwas ratlos auf dem Schrottplatz herum. Lauren schüttelte ihren Kopf, sie konnte beim besten Willen nicht verstehen, was Brigitte an diesem alten Esel fand. Etwas musste es ja geben – Liebe war es mit Sicherheit nicht! Dessen war sich Lauren sicher.

Gerade als Miss Parker in ihren Wagen einsteigen wollte, gellte ein Schuss. Parker reagierte genau so schnell wie ihr Bruder und ließ sich zu Boden fallen. Lauren, die sich bereits in Position gebracht hatte, reagierte in Sekundenschnelle. Ein Blick, die Waffe in Anschlag bringen und abdrücken, das war eins. Zwei Schüsse und der Typ war Geschichte. Parker war neben ihren Wagen in Deckung gegangen. Sie hörte erst einen Wagen, dann einen anderen wegfahren. Mit gezogener Waffe kam sie wieder hoch. Doch alles blieb still. Nur die Leiche, die zurückblieb, erinnerte noch daran, was hier vor Sekunden passiert war.


Wütend riss Miss Parker die Tür zum Büro ihres Bruder auf. Er sah auf. „Ist was passiert?“ Wollte er wissen. „Wie man es nimmt.“ Parker kam auf seinen Schreibtisch zu. „Jemand hat versucht mich umzubringen“, sagte sie tonlos. Lyle lehnte sich in seinem Stuhl zurück und wippte etwas. „Die Tatsache das Sie hier vor mir stehen, sagt mir das es nicht sehr erfolgreich war wie ich annehme!“

„Scheint so!“

„Haben Sie ihn erwischt?“ „

Ich nicht!“

Lyle stand auf. „Wer dann?“ Sein Gesicht bekam etwas lauerndes.

„Keine Ahnung!“ Parker zuckte mit den Schultern. „War wohl ein Schutzengel, oder so“, sagte sie belanglos.

„Aha!“ War alles was von ihm kam. „Was soll das heißen?“ Wollte Parker wissen.

„Wie bei mir!“

„Was?“ Parker sah ihn fassungslos an. Lyle erzählte was gestern Abend passiert war.

„Sie hatten Recht. Der Mordauftrag läuft auch auf uns beide“, gab Parker zu. „Schön und gut, aber wer beschützt uns?“ Lyle legte seinen Kopf leicht schief. „Hm, was mich mehr interessieren würde. Wer hat ihn beauftragt?“

„Lassen Sie es uns rausfinden“, gab Lyle bekannt.

„Wie denn?“ Parker sah ihm nach, als er Anstalten machte, sein Büro zu verlassen.

„Meine Idee wird Ihnen nicht gefallen!“ Lyle blieb stehen und sah seine Schwester an. „Raus damit“, forderte sie ihn auf.

„Wir sollten die nächsten Tage zusammen bleiben. Erstens haben wir dann eine größere Chance. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei und zweitens, vielleicht gelingt es uns so den Schutzengel zu fassen!“

Parker atmete scharf aus. „Ich hätte nie gedacht, das ich das mal sagen würde!“

„Was?“ Lyle konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Einverstanden!“ Kam es scharf von Parker, dann schob sie ihren Bruder einfach zur Seite und verließ sein Büro. Er folgte ihr langsam und noch immer grinsend.


Die beiden Frauen standen sich gegenüber. „Zwei sind erledigt.“ Eröffnete Laueren das Gespräch.

Brigitte lachte. „Gut“, sagte sie leise.

„Warum muss ich auf sie auch noch aufpassen, Lyle reicht mir schon.“

Brigitte konnte deutlich die Verachtung aus Laurens Stimme hören. „Weil sie im Paket mit inbegriffen ist. Ich will nicht, das ihr Vater misstrauisch wird, deshalb.“

Lauren winkte ab. „Okay, ich hab’s kapiert. Reg Dich nicht auf“, sagte sie beschwichtigend. „Wenn es hart auf hart kommt, für wen soll ich mich entscheiden?“ Lauren sah Brigitte direkt in die Augen.

„Ich dachte, das wüsstest Du.“

„Okay, ich hab verstanden!“ Dann schwenkte Lauren plötzlich um. „Die Schwangerschaft scheint dir zu bekommen“, sagte sie und lächelte leicht. Brigitte lachte.

„Oh ja.“ Ihre Hände streichelten über ihren Bauch. „Ich freue mich sehr auf das Baby.“ Brigittes Augen strahlten.

Lauren schluckte hart. „Warum? Warum Brigitte?“ Brigitte erwiderte den Blick der anderen. „Ich liebe ihn“, sagte sie dann leise. „Vom ersten Augenblick an, an dem ich ihn gesehen hab!“

„Er ist es nicht wert, das wissen wir beide“, entgegnete Lauren.

„Du kennst ihn doch gar nicht!“

„Was ich von ihm kenne, hat mir genügt. Du weißt genau so gut wie ich das Du....“. Lauren verstummte, weil ihr Brigitte ins Wort fiel. „Es ist meine Entscheidung! Also hör auf damit. Du weißt was Du zu tun hast?“ Ein fragender Blick traf Lauren, die nickte. „Ich halte das für keine gute Idee“, widersprach sie. Brigitte machte einen Schritt auf Lauren zu und nahm ihre Hände in ihre. „Du hast es mir versprochen.“ Erinnerte sie Lauren.

„Ich weiß, was ich Dir versprochen habe, aber ich halte es nach wie vor für keine gute Idee“, beharrte sie dennoch.

„Lauren! Ich weiß das es die richtige Entscheidung ist und Du wirst mir diesen letzten Wunsch erfüllen, klar!“ Ihr Blick war durchdringend.

Lauren senkte den Kopf. „Habe ich jemals ein Versprochen nicht gehalten?“ Kam die Gegenfrage.. „Ich wusste das ich mich auf Dich verlassen kann.“ Brigitte machte einen Schritt auf Lauren zu. „Komm her“, forderte sie die andere auf, zog sie gleichzeitig in ihre Arme und drückte sie an sich. „Ich gebe dir bescheid. Leb wohl Lauren!“ Brigitte löste die kurze Umarmung drehte sie sich um und ging. Lauren blieb einige Sekunden bewegungslos und sah Brigitte nach, ehe auch sie zu ihrem Wagen zurück ging. Wütend wischte sie die Träne weg, die über ihre Wange lief.




„Sind Sie jetzt völlig übergeschnappt, Lyle?“ Schnappte Miss Parker wütend.

„Haben Sie eine bessere Idee?“ Fauchte Lyle aufgebracht zurück. Für Sekunden sagte keiner der beiden ein Wort, sie starrten sich nur an. „Sie wissen so gut wie ich das, dies die einzige Chance ist, die wir haben.“ Eröffnete Lyle erneut das Gespräch.

„Und wer soll das Versuchskaninchen spielen... oh nein, Lyle sehen Sie mich nicht so an. Wenn hier einer den Kopf hinhält, dann sind Sie das, kapiert!“ Lyle legte ein Grinsen auf, von dem Parker nicht wusste, wie sie es deuten sollte. Das hatte sie noch nie gekonnt.

„Vertrauen Sie Willie nicht?“ Wollte er dann wissen.

„Willie? Dieser Schwachkopf! Nein! Sam wird es machen!“ Verlangte sie.

„Sam?“ Echote nun Lyle und seiner Stimme war deutlich anzuhören, das er von ihrer Wahl nicht begeistert war. „Entweder Sam, oder der Deal platzt!“ Ihre Worten klangen endgültig. Lyle hob abwehrend die Hände, er hatte sich in Sekundenbruchteilen entschlossen, seinen Plan zu ändern.

Wenn sie es so wollte, würde sie es so bekommen. „Einigen wir uns, ja! Wir spielen beide das Versuchskaninchen. Und Willie und Sam arbeiten zusammen, dann sind wir auf jeden Fall auf der sicheren Seite!“

Parker verschränkte die Arme vor Brust. „Einverstanden. Wann soll der Zauber stattfinden?“ „Wie wäre es mit heute Abend?“ Schlug Lyle vor. „Okay. Holen Sie mich um zwanzig Uhr ab.“ Mit diesen Worten verließ sie das Büro ihres Bruders.

An der Tür drehte sie sich noch einmal um. „Wenn Sie nicht pünktlich sind, startet die Show ohne sie.“ Die Tür schwang hinter ihr noch zweimal kraftvoll hin und her. Lyles Gesicht verdüsterte sich für Sekunden, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Er griff zu seinem Handy. „Alles wie besprochen. Sam wird mitkommen – Nein, er wird kein Hindernis sein – Wenn Sie, sie aus dem Weg geräumt haben – räumen Sie ihn auch aus dem Weg – Versauen Sie das nicht!“ Mit diesen Worten legte er auf.


Pünktlich um zwanzig Uhr klopfte Lyle an die Tür seiner Schwester. Die Tür ging auf und Parker lächelte ihn kalt entgegen. „Wie schön, Sie können also die Uhrzeit lesen.“ Sie gab den Weg frei und Lyle trat ein. Er sah zu wie Parker ihre Waffe überprüfte und sie sich dann in den hintern Bund ihres Rockes schob. „Der Ballon kann starten.“ Lyles Augen sprachen Bände, doch er sagte nichts, stattdessen hielt er Parker die Tür auf und zusammen gingen sie zu seinem Auto.


„Dieser verdammte Mistkerl“, fluchte Lauren vor sich hin, während sie Lyles Wagen folgte. „Das wird er nicht wagen.“ Doch Lauren wusste genau, das Lyle jedes Mittel recht war um zum Ziel zu gelangen. Sie verfluchte sich dafür Brigitte dieses Versprechen gegeben zu haben, doch sie hatte noch nie ihr Wort gebrochen. Aber er würde sich noch wundern. Lauren sorgte dafür das Lyle mitbekam das er und seine Schwester verfolgt wurden. Ein paar Straßenzüge weiter, bog sie jedoch ab – sie musste schnell sein, wenn Sie vor ihm dort sein wollte. Lauren trat das Gaspedal durch.


„Er ist abgebogen“, stellte Lyle mit einem Blick in den Rückspiegel fest.

„Sie leiden unter Paranoia, Lyle.“ Die Stimme seiner Schwester klang abfällig. Lyle sagte nichts, er konzentrierte sich wieder auf die Strasse. Durchaus möglich das er sich getäuscht hatte. Zehn Minuten später waren sie an ihrem Ziel. Lyle parkte den Wagen und beide stiegen aus. Lyle hielt sich eng neben Parker. „Wenn Sie mich anfassen, wird Ihnen nicht nur Ihr Daumen fehlen, das garantiere ich Ihnen.“ Zischte Parker.

„Sie sind es die Paranoia hat.“ Konterte Lyle, brachte aber einen gewissen Abstand zwischen sich und seine Schwester. Der Park war um diese Zeit menschenleer. „Das war eine saublöde Idee“, kam es missmutig von Parker. „Viel zu offensichtlich, jeder Idiot merkt, das dies eine Falle ist.“

Lyle schnaufte tief durch und zählte stumm bis fünf. Wenn sie so weitermachte, würde er sie noch mit seinen eigenen Händen erwürgen. Nachdem sie fast fünfzehn Minuten durch den Park gelaufen waren, blieb Miss Parker stehen. Lyle tat es ihr nach, darauf bedacht, nicht in die Schusslinie zu geraten. Sie unterhielten sich leise, so das es für einen Beobachter so aussehen musste, als würden sie über etwas wichtiges debattieren. Ein Schuss gelte auf, beide warfen sich in Deckung, zwei weitere Schüsse pfiffen über sie hinweg. Doch keine Antwort.

„Schiefgelaufen, was?“ Knurrte Parker und zog vorsichtshalber ihre Waffe. Auch Lyle hielt seine Waffe in der Hand. „Warten Sie es doch ab.“ Fauchte er. Wieder ein Schuss, knapp neben Parker. „Kein Schutzengel weit und breit!“ Parker rollte vorsichtshalber zur Seite und blinzelte Lyle wütend an.


„Hände hoch und komm nicht auf dumme Gedanken, sonst puste ich Dich um!“ Die eiskalte Stimme, jagte Willie einen Schauer über den Rücken. Doch er tat wie ihm geheißen und hob gehorsam seine Hände gen Himmel. „Waffe weg – weit weg!“ Willie verzog das Gesicht und schmiss die Waffe mit Schwung von sich. Dann spürte er eine Waffenmündung die sich hart in seinen Rücken bohrte. Eine tastende Hand klopfte seinen Körper nach weiteren Waffen ab. „Und jetzt einen Fuß vor den anderen.“ Erklang der Befehl. Willie gehorchte nur zögernd. Doch die Waffenmündung in seinem Rücken zwang ihn unaufhörlich nach vorne – auf den Weg zu. „Was ist? Angst erschossen zu werden? Dann mach Dich doch bemerkbar.“ Diesmal klang Erheiterung in der Stimme mit. Willie kochte vor Wut, doch er tat wie ihm geheißen.

„Mr. Lyle! Miss Parker! Ich bin es Willie. Nicht schießen“, rief er laut und deutlich.


Lyle und Parker sahen sich verblüfft an. „Willie?“ Formte Parker lautlos seinen Namen. „Wir sind hier auf dem Weg.“ Verkündete Lyle lautstark. „Idiot! Nehmen Sie doch gleich ein Megaphon“, herrschte ihn Parker an. Da trat Willie in das Licht einer Straßenlaterne – mit erhobenen Händen.

„Was ist passiert?“ Wollte Lyle wissen und machte einen Schritt auf ihn zu. „Wo ist Sam?“ Kam es gleichzeitig von Parker.

„Der ist verhindert!“ Eine gedämpfte weibliche Stimme erklang und gleichzeitig trat eine Person aus Willies Schatten, aber nur soviel, dass sie jederzeit wieder hinter Willie Deckung finden konnte. Sie war ganz in schwarz gekleidet und trug eine Pudelmütze, die nur ihre Augen freiließ. Parker und Lyle hoben gleichzeitig ihre Waffen. „Nur keine Panik Herrschaften!“ Die Stimme der Frau klang amüsiert.

„Wer sind Sie?“ Fragte Miss Parker.

„Ihr Schutzengel, Miss Parker.“

„Zeigen Sie sich!“ Forderte Lyle und entsicherte seine Waffe.

Willie wurde unwohl, er stand in der Schusslinie. „Na, na, Mr. Lyle. Wer wird denn so neugierig sein!“ Ein leises Lachen war zu hören. Lyles Nackenhaare sträubten sich. Er kannte die Stimme, er kam nur nicht drauf woher.

„Wo ist Sam?“ Wiederholte Parker ihre Frage.

„Tot!“ Die Stimme der Frau klang ernst.

„Haben Sie ihn erschossen?“ Wollte Miss Parker wissen.

„Nein! Das war er!“ Sie stupste Willie leicht mit ihrer Waffe an.

„Wieso sollte er Sam erschießen?“ Lyle klang aufrichtig erstaunt.

„Nun, ich nehme mal an, weil Sie es ihm aufgetragen haben.“

„Ich? Sie sind wohl verrückt?“

Parker musterte ihren Bruder kurz von der Seite. Doch seinem Gesicht war nichts zu entnehmen. An Lyle war ein Schauspieler verloren gegangen. „Dann wollen wir mal!“ Ließ sich die vermummte Frau wieder vernehmen. Sie drückte eiskalt ab.

Willie vor ihr sank zu Boden und noch ehe Parker oder Lyle reagieren konnten, schlug sie Lyle mit voller Wucht die Waffe gegen die Schläfe. Er ging ebenfalls zu Boden und rührte sich nicht mehr. Dann standen sie und Parker sich gegenüber. Die schwarzgekleidete Frau ließ ihre Waffe sinken, während Parker noch immer auf sie zielte. „Kommen Sie mit!“ Wurde Parker von ihr aufgefordert.

Sie wandte Parker ihren Rücken zu und verschwand in die Richtung aus der sie gekommen war. „Bleiben Sie stehen!“ Schrie Parker, einen letzten Blick auf den toten Willie und den bewusstlosen Lyle werfend, folgte sie ihr schließlich. „Stehen bleiben!“ Peitschte Parkers Stimmer erneut durch die Nacht. Die Frau blieb wirklich stehen. Dann erkannte Parker warum. Zu ihren Füßen lag Sam. Er war tatsächlich tot.

„Lyles Handlanger hat ihn erschossen.“

„Warum sollte ich Ihnen glauben?“

Parkers Waffe wich keinen Millimeter von ihrem Ziel ab. „Hören Sie zu, Miss Parker. Ich bin hier um ihr und Lyles Leben zu schützen, nachdem ein Mordauftrag auf sie beide gestartet wurde. Lyle wollte die Gelegenheit nutzen und Sie aus dem Weg räumen. Er hat Willie damit beauftragt. Niemand würde ihm das in die Schuhe schieben können, nicht nach den Anschlägen, die bereits auf Sie verübt wurden. Er wäre Sie auf eine elegante Weise endgültig los. Als Sie allerdings darauf bestanden, das Sam mit von der Partie sein sollte, haben Sie sein Todesurteil unterschrieben. Lyle konnte keinen Zeugen gebrauchen.“

Miss Parker überlegte. Irgendwie ergab es Sinn was die Frau vor ihr sagte. Die Sache hatte nur einen Haken. „Woher wussten Sie davon?“

„Nichts leichter als das. Ich hab Lyles Handy abgehört.“

„Warum?“

Die Frau zuckte mit den Schultern. „Sagen wir... ich weiß wie ich ihn einzuschätzen habe.“

„Wer hat Sie beauftragt, auf uns aufzupassen?“ Keine Antwort. Parker schnaufte leicht und stellte dann eine andere Frage. „Wer steckt dahinter?“

„Hinter den Anschlägen?“ Die Frau zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung!“

„Wer hat Sie beauftragt und wer sind Sie?“ Etwas veränderte sich in der Stimme von Parkers Gegenüber. Miss Parker konnte es genau hören.

„Jemand der etwas gut zu machen hat.“ Parker machte einen Schritt auf sie zu.

„Wie meinen Sie das?“

„Hören Sie auf mit der Fragerei, das führt zu nichts.“ Jetzt klang die Stimme wieder so kalt wie zuvor.

„Runter mit dem Ding“, befahl Parker herrisch und meinte damit die Kapuze.

„Nicht doch!“ Die Frau machte einen Schritt der sie dicht vor Miss Parker brachte.„Trauen Sie Lyle niemals. Hören Sie - niemals!“ Dann ging alles blitzschnell. Die Frau ließ sich fallen und im fallen hebelte sie Parker ebenfalls von den Füssen. Der Schuss aus Parkers Waffe ging ins Leere. Als Parker sich wieder aufgerappelt hatte, war die andere weg. Parker stand noch lange an der Stelle und sah in die Dunkelheit.

`Wer auch immer Du bist, Du hast eine verdammt gute Ausbildung erhalten.` `Das Centre` Schoss es ihr durch den Kopf. Doch wer aus dem Centre könnte Interesse daran haben, das ihr und Lyle nichts passierte? Ihr Vater! Er war der einzige der in Frage kam, doch was sollte er schon wieder gut zumachen haben, außerdem, war er selbst auf der Flucht.

„Parker!“ Erklang eine ärgerliche Stimme hinter ihr.

Lyle!

Parker steckte ihre Waffe weg und ging zu Lyle zurück. Er stand auf dem Weg und rieb sich die schmerzende Stelle am Kopf. „Haben Sie, sie?“ Wollte Lyle wissen.

„Sie ist weg.“ Kam es emotionslos von Parker.

„Was? Sie haben sie entwischen lassen!“ Die Schmerzen waren vergessen. „Parker...!“

„Ach, halten Sie die Klappe Lyle!“ Miss Parker bedachte Lyle mit einem seltsamen Blick und machte einen Schritt auf ihn zu. Sie packte ihm hart am Hals und drückte zu. „Wenn Sie mich loswerden wollen, dann sollten Sie das selbst in die Hand nehmen!“ Riet sie ihm, ließ ihn los, drehte sich um und ging. Lyle rang keuchend nach Luft und sah ihr wutentbrannt hinterher.

„Parker“, rief ihr er: „Parker! Wo wollen Sie denn hin?“

„Nach Hause“, sagte sie ohne sich noch einmal umzudrehen.

Lyle blieb wütend und allein mit den zwei Leichen zurück. „Scheiße!“ Rief er aus. Wenn er nur wüsste woher er diese verdammte Stimme kannte. Sein Kopf brummte fürchterlich. Letztendlich griff er nach seinem Handy und bestellte ein Cleaner Team. Die Polizei brauchte von den Vorfällen keinen Wind bekommen.


In den nächsten Tagen überschlugen sich die Ereignisse. Lauren, hatte sich trotz des eindeutigen Befehls von Brigitte mehr hinter Miss Parker geklemmt als hinter Lyle. Sie wusste, das er sich selbst helfen konnte. Doch bei Parker hatte sie ein mulmiges Gefühl. Nicht das sie bezweifelte, das die kühle Schwarzhaarige sich nicht selbst helfen konnte, aber sie konnte dieses Gefühl nicht abschütteln. Und sie sollte recht behalten. Sie saß in ihrem Wagen und beobachtete Parker die gerade nach Hause kam. Da sie schon vor einiger Zeit hier Stellung bezogen hatte, wusste sie das Brigitte und der Alte Parker sich im Haus aufhielten. Warum war ihr schleierhaft. Kurz nach dem Parker nach Hause kam, verließen die beiden das Haus allerdings wieder. Lauren konnte sich nicht erklären, warum der Alte Parker das Risiko eingegangen war, zu seiner Tochter nach Hause zu gehen. Die Antwort darauf bekam sie wenige Tage später.


Lauren hatte Brigittes Anruf, wie versprochen erhalten und war auf den Weg zu der angegebenen Adresse. Von ihrem mulmigen Gefühl begleitet. Es war also soweit. Als sie den Wagen parkte, bemerkte sie Parkers Wagen, der ebenfalls dort stand. Mit der Waffe in der Hand ging sie auf das Haus zu.


„Verdammt Brigitte, wir haben es gleich geschafft. Durchhalten! Hilfe ist unterwegs.“ Rief Parker und nahm mit ihren blutigen Händen das kleine Bündel Mensch auf den Arm. In diesem Augenblick fiel Brigittes Kopf zur Seite.

Parker sah auf. „Brigitte?“ Tränen traten in Parkers Augen und dann weinte sie hemmungslos. Nicht wegen Brigittes Tod, sondern weil es gefühlsmäßig einfach zu viel für sie war. Das Baby war noch nicht mal richtig auf der Welt und hatte bereits seine Mutter verloren. Parker registrierte nicht einmal das die Tür der Hütte aufging. Erst als die Schritte genau neben ihr verstummten sah sie auf. In ihrem Arm das Baby wiegend. Jemand kniete sich neben sie und reichte ihr eine Decke. Automatisch nahm Parker die Decke entgegen um das Baby darin einzuwickeln.

Die dunkelhaarige Frau die, die Hütte betreten hatte, drehte Parker den Rücken zu und wandte sich der toten Brigitte zu. Sie strich ihr sanft über die Wange. „Du hast es ja nicht anders gewollt“, murmelte sie leise.

Parker stand auf. „Wer sind Sie?“ Wollte sie wissen. Auch die fremde Frau stand auf.

„Ihr Schutzengel“, sagte sie leise und sah Parker direkt in die Augen.

„Wa... was?“ Parker verstand nichts mehr.

„Brigitte hat mich beauftragt, auf Sie und Lyle auf zu passen.“

„Woher wussten Sie von der Hütte?“ Parker sah die andere noch immer nicht begreifend an.

„Hören Sie, Miss Parker, wir haben nicht viel Zeit, ich nehme an, Sie haben Ihren Vater bescheid gesagt. Er kann jeden Moment hier eintreffen. Geben Sie mir das Baby!“

Parker wich automatisch einen Schritt zurück. „Sind Sie verrückt?“

Die andere machte einen Schritt auf sie zu. „Ich hole es mir auch mit Gewalt, das können Sie mir glauben. Es war Brigittes letzter Wunsch, das ich ihr Kind in Sicherheit bringe. Also geben Sie es mir!“

„Nein!“

„Wollen Sie, das dieses Kind, in die Hände des Centres fällt? Glauben Sie allen Ernstes Ihr Vater wird einen liebevollen Vater abgeben? Einen Teufel wird er tun und ich werde nicht zulassen, das ein Kind, das eben seine Mutter verloren hat, eine trostlose Kindheit vor sich hat. Und ich bin sicher, Sie wollen das auch nicht, also geben Sie es mir!“

„Wer sind Sie?“ Fragte Miss Parker.

Die Frau zögerte kurz. „Ich bin Brigittes Schwester – es war ihr letzter Wunsch. Ich habe es ihr versprochen und ich gedenke mich an mein Wort zu halten.“

Parkers Blick irrte zwischen Brigitte und der fremden Frau hin und her. Eine gewisse Ähnlichkeit war zu erkennen. Draußen war ein Hubschrauber zu hören.

„Parker! Wir haben keine Zeit mehr!“ Drängte Brigittes Schwester.

„Wo wollen Sie mit dem Baby hin?“ Fragte Parker. „Weit weg vom Centre.“

Sie ging noch einen Schritt auf Parker zu. Doch diese zögerte noch immer. „Verdammt, Parker. Dieses Kind hat es nicht verdient so aufzuwachsen wie Sie und... Jarod. Also denken Sie nach, aber machen Sie schnell!“

„Woher weiß ich das Sie die Wahrheit sagen?“

Die andere verdrehte die Augen. Bitte!“ Ein entschlossener Ausdruck legte sich über ihr Gesicht. Und endlich gab sich Parker einen Ruck, sie konnte es sich selbst nicht erklären. Sie reichte Lauren das Baby. Sie nahm es vorsichtig in ihre Arme und verließ die Hütte. Kurz darauf setzte der Hubschrauber zur Landung an und wenig später trat der Alte Parker durch die Tür. Er sah auf die Leiche seiner Frau und dann zu seiner Tochter.

„Hast Du...?“ Parker konnte es nicht fassen.

„Daddy, nein! Sie ist bei der Geburt gestorben.“

„Wo ist das Baby?“ Wollte der Alte Parker wissen. Hinter ihm trat eine Kinderschwester in die Hütte. Er hatte an alles gedacht und Parker wurde klar, das Brigittes Schwester recht hatte.

„Weg“, sagte Parker. Ihr Vater riss die Augen auf.

„Was? Wie weg?“ Rief er.

Parker entschloss sich zu einer Lüge. „Brigitte war nicht alleine hier. Ein Mann war auch hier. Er hat es mitgenommen!“

„Wer war er?“

„Das weiß ich doch nicht!“ Schrie Parker unbeherrscht. „Er hat es mir einfach weggenommen und ist verschwunden!“

„Verdammt!“ Schrie der Alte Parker und warf seiner toten Frau einen wütenden Blick zu.


Erst im Hotelzimmer kam Lauren wieder zu sich. Sie hatte gewusst, das Brigitte bei der Geburt des Kindes sterben würde, sie hatten es beide gewusst, von dem Augenblick als Brigitte freudestrahlend bei ihr in London angerufen hatte um ihr mit zu teilen, das sie schwanger war. Sie trugen beide eine Krankheit in sich. Aus diesem Grund hatte sich Lauren entschlossen, als sie davon erfahren hatte, keine Kinder zu bekommen, in ihrem Job war das wohl auch besser so. Brigitte war mit ihr einer Meinung, doch als sie ihn kennen gelernt hatte, hatte sie alles über Bord geworfen. Lauren hatte ihre Schwester in dieser Beziehung nicht verstanden. Sie hatte ihn ebenfalls kennen gelernt und immer gerätselt, warum Brigitte ihm so bedingungslos vertraute. Einem Mann wie ihm, der über Leichen ging.

Lauren bettete das Baby auf das Bett und genehmigte sich eine Dusche. Sie wollte nicht weiter über ihn nachdenken. Doch als sie das Badezimmer verließ und sich neben ihren Neffen auf das Bett setzte, überkam sie die Erinnerung erneut. Sie beugte sich über das Baby und streichelte ihm zärtlich über den Kopf. „Keine Angst, kleiner Mann. Ich bring Dich weg von hier, so wie es Deine Mutter gewollt hat.“ Der Kleine schlummerte friedlich. Er hatte keine Ahnung, das seiner Tante ihr schwerster Kampf noch bevor stand. Lauren zog die Bettdecke über sich und versuchte, ihren Erinnerungen zu entkommen, doch sie verfolgten sie bis in ihren Schlaf. Unruhig wälzte sie sich im Schlaf hin und her.


Eine Woche später:

Lauren war noch immer in Blue Cove. Sie wusste, das der Alte Parker wieder ins Centre zurück gekehrt war. Er, Lyle und Mr. Cox gaben ein prima Trio ab. Jetzt wo der alte Parker wieder das Ruder in der Hand hielt, brauchten Lyle und Miss Parker nicht länger um ihr Leben fürchten. Brigitte hatte es vorausgeahnt. Sie hatten ihr die Schuld an dem Mord dieses Mutambo in die Schuhe geschoben. Somit war für den Alten Parker wieder alles klar und jeglicher Mordauftrag an seinen Sohn und seine Tochter überflüssig geworden. Lauren war zweimal nahe dran, das Land zu verlassen. Letztendlich hielt sie ihr schlechtes Gewissen - nicht ihr Versprechen - ihrer toten Schwester gegenüber davon ab.



Lyle parkte seinen Wagen in der Tiefgarage des Apartmenthauses in dem er wohnte. Er stieg aus, gerade als er den Wagen abschließen wollte, spürte er die Mündung einer Waffe im Rücken und versteifte sich automatisch.

„Hände auf den Rücken!“ Erklang eine weibliche Stimme hinter ihm. Seine Nackenhaare meldeten sich wieder, doch er kam der Aufforderung nach. Handschellen klickten um seine Handgelenke.

„Umdrehen!“ Noch bevor sich Lyle umdrehen konnte, wusste er wem die Stimme gehörte. Er fuhr augenblicklich herum.

„Lauren!“ Stieß er aus.

„Tja, so sieht man sich wieder!“ Sie lächelte kalt.

„Was...?“ Doch Lyle kam nicht dazu seinen Satz zu Ende zu bringen.

„Halt die Klappe!“ Wies sie ihn zurecht und stülpte ihm eine schwarze Kapuze über den Kopf.

„Was soll denn das?“ Beschwerte sich Lyle.

„Warts ab!“ Lauren packte seinen Arm und dirigierte ihn quer durch die Tiefgarage zu ihrem Wagen. Da er nichts sehen konnte, ließ er sich willenlos von ihr führen. Im Moment hatte er eh keine andere Chance. Sie öffnete die Kofferraumtür. „Los rein!“

„Ich sehe nichts!“ Murrte Lyle.

„Heb Deinen Fuß und dann leg Dich brav in den Kofferraum!“

„Spinnst Du?“

Die Waffe bohrte sich in seinen Magen. „Mach was ich Dir sage, oder ich vergesse alle meine Versprechungen und puste Dich um!“ Laurens Stimme klang gefährlich und Lyle kletterte umständlich in den Kofferraum. Der Deckel knallte ins Schloss und wenig später fuhr der Wagen davon.


Lyle versuchte sich an den Geräuschen zu orientieren, doch irgendwann verlor er das Zeitgefühl und gab auf. Lauren! Wie lange war es her, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten? Sechs Jahre? Sieben? Er war sich nicht mehr ganz sicher. Von dem Augenblick an, als er die Order bekam, nach Blue Cove zu gehen, hatte er nicht mehr an sie gedacht. Er hatte Brigitte mitgenommen, weil sie seiner Meinung ihre Gefühle besser unter Kontrolle hatte, als Lauren. Doch als er daran dachte, wie sich Lauren im Park gegeben hatte, musste er zugeben, das er sich wohl getäuscht hatte. Die letzten Jahre, hatten aus ihr die perfekte Killerin gemacht. Die Frage drängte sich ihm auf, was sie wohl mit ihm vorhatte. Konnte es sein, das sie ihr Versprechen einlösen wollte, das sie ihm vor seiner Abreise gegeben hatte. Er sah sie vor sich, wie sie vor ihm stand und ihm die Worte entgegen geschleudert hatte:

„Ich wünsch Dir viel Glück in den Staaten, aber eines kann ich Dir versprechen, Lyle. Eines Tages wird Dich jemand umbringen und das werde ich sein!“ Dann hatte sie sich umgedreht und war gegangen. Dann fiel ihm etwas anderes ein. Ob Brigitte es gewusst hatte? Lyle knurrte und beschloss abzuwarten.


Der Wagen bremste und gleich darauf wurde der Kofferraumdeckel geöffnet. „Raus mit Dir!“ Forderte sie ihn auf. Lyle bemühte sich hoch zu kommen, doch es gelang ihm nicht. Lauren packte ihn wieder am Arm und zog ihn hoch. Er hasste dieses hilfloses Gefühl. Als er es schließlich geschafft hatte, zog sie ihn mit sich. Eine Tür wurde geöffnet und hinter ihm wieder geschlossen. Lyle blieb stehen und hörte wie Lauren im Zimmer umher ging. Sie sprach mit jemanden. Doch er hörte keine zweite Stimme. Das Telefon! Aus ihren Worten wurde er auch nicht schlau.

„In fünfzehn Minuten.“ War alles was sie sagte. Dann kam sie wieder auf ihn zu und zog ihm die Kapuze vom Kopf.

„War das denn nötig, wo Du mich eh in den Kofferraum gesperrt hast?“

„Du hast einmal zu mir gesagt, man kann nicht vorsichtig genug sein, erinnerst Du Dich?“

„Dunkel.“ Gab er zurück. „Mach mir die Dinger ab, Lauren.“ Bat er und bemühte sich den Zorn aus seiner Stimme zu verbannen.

„Alles zu seiner Zeit. Setz Dich hin und hör mir zu.“ Sie sah ihn scharf an. Lyle gehorchte und setzte sich auf die Bettkante. „Ich höre.“ Kam es von ihm. Lauren nahm sich einen Stuhl, stellte ihn vor Lyle ab und setzte sich rücklings darauf.

„Als Du Dich entschlossen hast, Brigitte mit in die Staaten zu nehmen, was waren Deine Beweggründe?“ Fragte Lauren.

Lyle schnaufte. „Lauren, das liegt Jahre zurück, was soll denn das?“ „Hm.“ Machte Lauren, nahm ihre Waffe in die Hand und entsicherte sie.

Lyle verstand. „Was willst du hören?“

„Wie wäre es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit!“ Forderte sie ihn auf.

„Ich dachte, sie ist besser geeignet, als Du.“

„Sonst nichts?“ Hakte Lauren nach. „Nein.“ Kam es von Lyle.

„Hast Du sie geliebt?“

Lyle riss seine Augen erstaunt auf. „Was?“ Brachte er hervor.

„Du hast mich schon verstanden.“

„Ich weiß zwar nicht auf was Du rauswillst, aber – nein geliebt habe ich sie nicht. Genauso wenig wie sie mich! Wir haben uns in gewissen Dingen gut ergänzt, das war alles.“

„Da täuscht Du Dich aber, mein Lieber. Sie hat Dich geliebt. So sehr, das sie alles für Dich tat, inklusive dieser bescheuerten Heirat mit Deinem Vater. Gott Lyle, wie konntest Du nur?“

„Das verstehst Du nicht, Lauren. Brigitte hat es allerdings verstanden. Das war auch der Grund weshalb ich mich für sie entschieden habe. Du hättest das niemals getan, oder?“

„Nein, hätte ich nicht, da hast Du recht, aber zurück zu Brigitte. Sie hat Dich sogar so sehr geliebt, das sie für Dich gestorben ist.“ Laurens braune Augen funkelten wütend.

„Was? Bist Du jetzt völlig von Sinnen?“ Fragte Lyle. Konnte es sein, das sie ihn so sehr hasste, das sie ihm sogar den Tod ihrer Schwester in die Schuhe schob? Er konnte nun wirklich nichts dafür.

„Wusstest Du von Brigittes Krankheit?“ „Welche Krankheit?“ Fragte Lyle leicht irritiert.

„Sie nennt sich Plazenta Brevia. Wie das Wort schon sagt, hat sie mit der Geburt eines Kindes zu tun. Man verliert soviel Blut, das man bei der Geburt stirbt. Selbst wenn sie in einem Krankenhaus gewesen wäre, hätte man ihr nicht helfen können. Einer der Gründe weshalb wir beide vor langer Zeit beschlossen, keine Kinder zu bekommen.“

„Du... Du hast das auch?“ Lyle sah sie fragend an. Lauren nickte. „Sie hat mir nie etwas von davon erzählt.“

„Warum auch, es hätte Dich eh nicht interessiert.“

Lyle ging nicht darauf ein. „Sie muss meinen Vater wirklich geliebt haben, wenn sie dieses Risiko einging.“ Stellte Lyle fest.

„Hast Du mir nicht zugehört?“ Fragte Lauren. Doch ehe Lyle zu einer Erwiderung ansetzen konnte, ging die Tür auf und eine Frau trat ein. Sie hielt etwas in ihren Armen, was Lyle nicht erkennen konnte. Lauren stand auf und nahm es der Frau ab. „Danke“, sagte sie leise. Die Frau nickte nur und ging wieder. Lauren kam mit dem Bündel im Arm zu Lyle zurück und setzte sich neben ihn. Sie nahm die Decke etwas zur Seite und Lyle konnte das Baby erkennen.

„Du? Du hast meinen Vater sein Kind gestohlen!“ Sagte er fassungslos und starrte Lauren an.

„Nicht ganz.“ Korrigierte Lauren. Lyle schien es nicht gehört zu haben. „Wieso?“ Seine Stimme wurde lauter.

„Ssscht!“ Machte Lauren und wiegte den kleinen Junge in ihrem Arm. „Ich habe nicht das Kind Deines Vaters gestohlen, wie Du Dich ausdrückst.“

„Sondern?“ Lyle verstand nicht.

„Dein Kind!“

Die Worte standen im Raum. Lyle hatte sie gehört, doch er konnte sie nicht begreifen. „Mein... mein Kind?“ Wiederholte er ihre Worte.

Lauren nickte wieder. „Ja, es ist Dein Sohn, Lyle!“

Lyle sprang wie von der Tarantel gestochen hoch. „Was spielst du eigentlich für ein Spiel?“ Schrie er unbeherrscht los. Mit dem Ergebnis, das sein Sohn das Gesicht verzog und zu weinen anfing.

„Super. Danke, Lyle!“ Herrschte ihn Lauren an. Sie wiegte ihren Neffen noch etwas mehr in ihren Armen und sprach beruhigend auf ihn ein. Lyle glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er ihre Worte hörte.

„He, ruhig, Kleiner. Dein Vater ist ein Holzkopf, mach Dir nichts draus. Er versteht nichts von Kindern, aber er wird es lernen.“

„Lauren!“ Sagte Lyle mit erzwungen gedämpfter Stimme.

Sie sah ihn an. „Ja? Glaubst Du mir nicht? Sieh ihn Dir doch an. Er ist Dir wie aus dem Gesicht geschnitten.“ Lyle runzelte die Stirn, kam einen Schritt auf sie zu und beugte sich über das Baby.

„Ich seh nichts!“ Gab er bekannt. „Und mach mir endlich diese Dinger los“, raunte er Lauren ins Ohr. Lauren erwiderte seinen Blick, legte dann das Baby aufs Bett und schloss Lyle die Handschellen auf. Sie nahm ihren Neffen wieder hoch während sich Lyle die Handgelenke massierte.

„Mein Kind! Was ist denn das für ein Blödsinn? Glaubst Du damit kannst Du mich einwickeln?“ Lyle versuchte das Kind in Laurens Armen zu ignorieren.

„Wieso sollte ich Dich anlügen?“ Kam die Gegenfrage. „Was weiß ich?“ Fauchte Lyle.

Lauren musste lachen. „Überleg doch mal. Ich habe mich in England sehr wohl gefühlt, wieso um alles in der Welt sollte ich hierher fliegen, auf Dich und Deine Schwester aufpassen, ein Baby stehlen, und es Dir unterschieben? Klingt das irgendwie logisch für Dich?“

„Frauen sind alles, nur nicht logisch“, gab Lyle zurück. Doch er musste zugeben, das sie nicht unrecht haben könnte. Im Geiste rechnete er zurück. Es könnte hinkommen, bisher hatte er keinerlei Gedanken daran verschwendet, vor allem da Brigitte keinen Zweifel daran aufkommen ließ, das der Alte Parker der Vater dieses Kindes war. Kurz kam die Erinnerung zurück, als sie es ihm gesagt hatte. Sie waren im Büro seines Vaters, Brigitte hatte vor ihm gekniet und... Lyle spürte eine Welle der Erregung in sich aufsteigen sofort verscheuchte er die Gedanken an die Vergangenheit. Brigitte war tot, Lauren allerdings war quicklebendig und sie war es mit der er sich jetzt herum schlagen musste.

„Was ist? Hast Du nachgerechnet?“ Fragte Lauren.

„Um Deine Behauptungen zu glauben, brauch ich schon Beweise“, forderte Lyle.

„Hier!“ Lauren hielt ihn einen kleinen Behälter hin. Das Blut Deines Sohnes. Mach einen Test, dann hast Du Gewissheit.“

„Woher hast Du das?“

„Ich war mit ihm beim Arzt um ihn durch checken zu lassen. Es ist alles in Ordnung mit ihm. Alles was ihm fehlt ist eine Familie.“ Da war es wieder, diese unterschwelligen Worte – wie Dein Vater kann nicht mit Kindern, aber er wird es lernen. Lyle entschloss sich nicht darauf ein zu gehen. Er hatte nicht vor eine Familie zu gründen und schon gar nicht würde er sich mit einem Baby belasten. Seine Gelüste waren anderes gelagert. Er wollte die Macht im Centre! Alles andere war nicht von Interesse für ihn.

„Du wirst unvorsichtig, über den Arzt werden Sie Dich finden. Mein Vater wird nichts unversucht lassen, das Baby zu finden. Er denkt ja immerhin das es sein Kind ist!“ Lyle gelang ein Lächeln.

„Na ja, wenn Du glaubst, er kriegt aus einer Leiche was raus, lass es ihn versuchen!“ Konterte Lauren.

Lyle sah sie fast bewundernd an. „Du bist besser als ich dachte!“ Gab er zu.

„Man tut was man kann. Aber zurück zum eigentlichen Problem. Hier!“ Sie drückte dem verdutzten Lyle das Baby in die Arme.

„Ich kann das nicht!“ Rief Lyle erschrocken.

„Halt einfach mit einer Hand seinen Kopf. So!“ Lauren brachte Lyles Arme in Position. „Geht doch.“ Fand sie.

„Was... was soll ich denn machen?“ In Lyles Stimme klang leichte Panik mit.

„Festhalten! Wiege ihn etwas, das beruhigt ihn.“ Lyle tat wie ihm geheißen. Er fühlte die Blicke seines Sohnes auf sich. Dieses verdammte Miststück hatte ihn überrumpelt. Trotz aller Zweifel die er noch immer hegte, fühlte Lyle eine Zuneigung in sich aufsteigen, die ihn überraschte.

„Wie... wie heißt er denn?“ Fragte er dann leise, ohne seinen Blick von seinem Sohn zu nehmen. „Er hat noch keinen Namen. Brigitte wollte das Du ihm einen Namen gibst.“ Plötzlich wurde Lyle die Bedeutung von Laurens Worten bewusst.

„Brigitte wollte? Heißt das... sie... hat es so geplant?“

„Ja!“ Kam es knapp von Lauren. „Von Anfang an. Als sie erfuhr das sie schwanger war, hat sie mich sofort angerufen. Sie hat mir gesagt, das Du der Vater bist. Und mir dann das Versprechen abgerungen, ihn nicht dem Centre zu überlassen.“ Lyle ging mit dem Baby im Arm auf und ab.

„Was noch?“ Fragte er. „Es war ihr letzter Wunsch, das Dein Sohn bei Dir aufwächst.“ Lyle, der am Fenster stand, fuhr herum.

„Das ist nicht Dein Ernst! Wie soll das denn funktionieren? Selbst wenn ich wollte, ich kann doch nicht aus heiterem Himmel ein Baby aus dem Arm schütteln. Mein Vater würde sofort Lunte riechen!“

„Ich weiß. Aber das war ja auch nicht Brigittes Plan.“

„Was denn nun?“

„Du wirst Dich entscheiden müssen, zwischen Deinem Sohn und dem Centre.“ Jetzt war es raus. Lyle reagierte prompt.

„Spinnst Du?“ Herrschte er Lauren an.

„Ich habe es Brigitte gesagt, das Du so reagieren würdest, wenn es nach mir gegangen wäre, hättest Du niemals von ihm erfahren. Du bist und bleibst ein Scheißkerl Lyle. Überleg Dir einen Namen und verschwinde.“ Lauren kam auf ihn zu und nahm ihm das Baby wieder ab.

„Du lässt mich einfach hier rausmarschieren?“ Fragte Lyle. Wenn er sie und das Baby seinem Vater präsentieren würde, wäre er von seinem Ziel nur noch einen kleinen Schritt entfernt.

„Du träumst wohl. Du gehst so, wie Du gekommen bist.“ Lyle stand etwas unschlüssig im Zimmer. „Was ist, überlegst Du Dir gerade wie profitabel es für Dich sein könnte, wenn Du uns beide im Centre ablieferst?“

„Nein!“ Log er ohne rot zu werden. „Ich werde den Test machen lassen, dann reden wir weiter.“

Okay“, stimmte Lauren zu, ihr entging der lauernde Ausdruck in seinen Augen nicht.




Zwei Tage später hatte Lyle Gewissheit. Brigittes Sohn war auch sein Sohn. Er tigerte ruhelos in seinem Büro auf und ab, als sein Vater eintrat.

„Was ist?“ Fragte Lyle leicht ungehalten. Der Alte Parker runzelte die Stirn.

„Ich wollte Dich nur etwas fragen, aber wenn ich ungelegen komme....“ „Nein!“ Lyle winkte ab. „Was willst Du wissen?“

„Cox kommt nicht weiter. Hast Du nicht eine Idee wer der Mann gewesen sein könnte, der bei Brigitte in der Hütte war?“

„Ich? Wieso denn ich?“ Fragte Lyle.

„Nun, Du hast sie aus London mitgebracht. Du kanntest sie am besten. Denk nach, Lyle. Das ist wichtig für mich. Ich will meinen Sohn zurück.“ Lyle setzte sich auf die Schreibtischkante. „Und wenn Du ihn hast, was dann?“ Er konnte seine Neugierde einfach nicht unterdrücken.

„Das hat Dich nicht zu interessieren“, schnauzte der Alte zurück.

„Na hör mal, immerhin ist das ja mein Stiefbruder.“ Lyle hätte sich beinahe am letzten Wort verschluckt. Der Alte redete über seinen Sohn wie über eine Akte.

„Seit wann hast Du ein Herz für Kinder.“

„Hab ich nicht, bin nur neugierig.“ Es gelang Lyle tatsächlich seine Stimme so neutral wie möglich zu halten. Sein Vater ging ans Fenster.

„Ich werde dafür sorgen, das er gut aufwächst, hier im Centre. So wie schon Deine Schwester. Es wird ihm an nichts fehlen. Er ist mein Erbe und ich werde ihn hüten wie einen kostbaren Schatz....“ Der Alte redete weiter, aber Lyle hörte nicht mehr zu.

`Kindheit – Centre - Brigittes letzter Wunsch` Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Lauren hatte ihm gesagt, das Brigitte wollte, das sein Sohn bei ihm aufwuchs. Wie hatte sie sich das nur vorgestellt? Und vor allem welche Rolle sollte Lauren dabei spielen? Hatte Brigitte gewusst was zwischen ihm und ihrer Schwester gelaufen war? Die Hand seines Vaters, auf seiner Schulter riss ihn aus seinen Gedanken.

„Was ist nun? Ist Dir was eingefallen?“

„Nein, tut mir leid, ich hätte Dir gerne weitergeholfen.“

„Falls Dir doch noch etwas einfällt, lass es mich wissen.“ Mit diesen Worten wandte sich der Alte zum gehen.

„Natürlich“, rief ihm Lyle hinterher.


Die Aufzugtüren, waren im Begriff sich zu schließen, als sich im letzten Moment jemand hindurch zwängte. Lyle fuhr erschrocken zusammen und atmete erleichtert auf, als er Lauren erkannte.

„Kannst Du nicht einfach anrufen?“ Schnaufte Lyle.

„Zu gefährlich. Was ist? Bist Du zu einem Ergebnis gekommen?“ Wollte sie wissen.

„Kommst Du mit nach oben? Ich will nicht im Aufzug reden.“ Lauren bedachte ihn mit einem seltsamen Blick, nickte aber. Als Lyle die Wohnungstür hinter sich schloss bedeutete er Lauren mit einer Geste sich zu setzen, sie blieb allerdings stehen. „Willst Du was trinken“, wollte er wissen.

„Ich bin nicht hier um mit Dir Small Talk zu betreiben. Hast Du Dich entschieden?“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn abwartend an.

Lyle setzte sich auf die Couch. „Was hast Du eigentlich vor?“ Fragte er zurück.

„Geht Dich nichts an, um mich geht es hier auch nicht.“

„Wo ist mein Sohn?“ Lyle zog eine Augenbraue leicht nach oben.

Lauren schnaufte. „Aha! Hast Du den Test gemacht?“ Lyle nickte.

„Gut. Teilst Du mir nun endlich Deine Entscheidung mit?“

Lyle lehnte sich zurück. „Himmel noch mal, Lauren! Das ist keine Entscheidung die man zwischen Tür und Angel fällt, ich....“

„Du hattest zwei Tage Zeit, also, ich höre“, fiel sie ihm ins Wort. Da war es mit Lyles Beherrschung vorbei. Er sprang auf, packte Lauren hart am Arm und zog sie mit sich auf die Couch.

„Ist Dir eigentlich klar, was Du da von mir verlangst, hm? Ich habe hart gearbeitet um dort hin zu kommen wo ich jetzt bin! Dann schneist Du so einfach hier rein und verlangst ich soll Vaterpflichten übernehmen.“

„Ach? Hart gearbeitet, ja! Wie denn? Gemordet und betrogen, nennst Du das harte Arbeit?“ Sie funkelte ihn wütend an.

„Nenn es wie Du willst, es ist mir egal. Ich werde meinen Platz im Centre nicht aufgeben, wegen eines Kindes.“

„Genau das hab ich Brigitte auch gesagt, aber sie war der Meinung das Du Dich an Deine eigene Kindheit erinnern würdest und Deinem Sohn dieses Schicksal ersparen würdest. Sie hat sich wohl getäuscht. Genau wie ich es mir gedacht habe. Nun gut, ich weiß was ich zu tun habe.“

Lauren stand auf, doch Lyle hinderte sie, indem er sie festhielt und wieder auf die Couch zurück zog. „Und was genau, willst Du tun?“

„Das geht nichts an. Du hast Deine Entscheidung getroffen, alles andere hat Dich nicht zu interessieren.“ Lauren versuchte seine Hand abzuschütteln. Doch Lyle hielt sie mit eisernen Griff fest.

„Warum tust Du das?“ Fragte er.

„Weil ich es Brigitte versprochen habe und ich habe mein Wort noch nie gebrochen. Nie!“

„Wusste Brigitte von uns?“ Lauren sah Lyle an, als hätte er den Verstand verloren.

„Na klar, ich bin zu ihr gegangen und hab gesagt: Ach übrigens Schwesterherz, ich treibe es mit dem Mann den Du liebst. Für wie bescheuert hältst Du mich eigentlich?“ Fauchte sie aufgebracht.

Lyle grinste und hielt sie noch immer fest. „Du willst also mit meinem Sohn verschwinden, hab ich recht? Willst Du ihn großziehen?“ „Er ist immerhin mein Neffe, warum sollte ich nicht?“ Gab sie zurück.

„Ich könnte Dich meinem Vater ausliefern, das ist Dir doch wohl klar.“

„Natürlich! Ich weiß zu was Du fähig bist. Aber nicht mal Du kannst so kalt sein und Dein eigen Fleisch und Blut diesem Gruselkabinett überlassen. Willst Du ihm das wirklich antun, ja? Willst Du das er das gleiche durchmacht wie Du?“

Lauren ließ Lyle keine Sekunde aus den Augen. Als er nicht reagierte stand sie schließlich auf und sagte: „Gib ihm wenigstens einen Namen, dann hat sich die Sache für Dich erledigt.“

Als hätten sie ihre Worte aus seiner Erstarrung gerissen, stand er ebenfalls auf und kam auf sie zu. Da klopfte es plötzlich an der Tür. Beide standen wie gelähmt. „Erwartest du wen?“ Hauchte Lauren. Lyle schüttelte verneinend den Kopf.

„Ja?“ Rief er laut genug, das der Besuch vor der Tür es hören konnte. „Ich bin es. Cox.“

„Scheiße“, fluchte Lyle leise. „Moment, bin gleich da.“ Er bugsierte Lauren ins Schlafzimmer, bedeutete ihr still zu sein und eilte an die Wohnungstür. „Was gibt’s denn so wichtiges Mr. Cox, das sie mich zu Hause aufsuchen?“ Fragte Lyle so unbeteiligt wie möglich.

„Es tut mir leid, das ich Sie störe, aber ihr Vater hat mich gebeten.“ Mr. Cox lächelte sanft. Lyle gab die Tür frei und Cox trat ein. „Ihr Vater will unbedingt seinen Sohn wieder haben, nachdem ihn ihre Schwester so unrühmlich entwischen ließ.“ Während er sprach schritt er mit leisen Schritten durch Lyles Wohnzimmer.

„Nun wir wissen beide, das meine Schwester keine Leuchte ist, schließlich ging ihr Jarod ja auch immer wieder durch die Lappen.“ Resümierte Lyle und setzte sich auf die Lehne der Couch.

„Mag sein, aber dieser fremde Mann der so urplötzlich in dieser Hütte auftauchte, es kam etwas plötzlich, finden Sie nicht, Mr. Lyle?“ Cox drehte sich zu Lyle um und sah ihn lauernd an.

Lyle widerstand der Versuchung auf zu stehen und Cox an zu pflaumen. Stattdessen blieb er sitzen und sagte: „Wollen Sie damit etwa ausdrücken, das ich etwas weiß und es verschweige?“

Lyles Blick war ebenso lauernd wie Cox. Dieser machte eine abwehrende Handbewegung. „Mitnichten Mr. Lyle. Wie könnte ich? Ich will nur sicherstellen, das Ihr Vater dieses Baby auch wirklich findet. Es liegt ihm sehr viel daran.“

„Das weiß ich und ich wünschte ich könnte meinem Vater helfen“, seufzte Lyle. Er widerstand der Versuchung einen Blick ins Schlafzimmer zu werfen. „War es das, Mr. Cox?“ Fragte Lyle.

„Wollen Sie mich loswerden?“ Kam es mit einem lauernden Unterton in der Stimme von Cox.

„Ich hatte einen langen Tag“, wich Lyle aus.

„Dann will ich Sie nicht länger aufhalten.“ Sagte Cox und ging in Richtung Schlafzimmer.

Er hörte Lyle hinter sich scharf ausatmen. „Wollen Sie hier rumspionieren?“ Erklang Lyles Stimme dicht hinter Cox.

„Aber nicht doch!“ Cox lächelte unecht und betrat Lyles Schlafzimmer. Aus dem angrenzenden Badezimmer rauschte die Dusche. Cox warf Lyle einen bedeutungsvollen Blick zu. „Warum haben Sie nicht gleich gesagt, das Sie Besuch haben?“ Cox sah Lyle an.

Der kratzte sich am Kopf, er wollte mit dieser Geste Verlegenheit ausdrücken. „Mein Privatleben geht niemand etwas an.“ Sagte er.

„Wohl wahr!“ Cox trat den Rückzug an. „Entschuldigen Sie die Störung!“ Mit diesen Worten wandte er sich zum Gehen. Als sich die Tür hinter Cox schloss atmete Lyle erleichtert aus und ging ins Badezimmer. Unschwer war Laurens Shiluette hinter der Glaswand der Dusche zu sehen. Lyle schob die Tür auf und hielt Lauren ein Badetuch entgegen. Sie nahm es und wickelte sich darin ein. „Ist er weg?“ Sie sah ihn fragend an.

„Ja! Gott sei Dank. Keine schlechte Idee von Dir“, gestand er dann, während sich Lauren an ihm vorbei zwängte.

„Mir fiel nichts besseres ein.“ Lauren sah Lyle an. „Was ist? Verschwinde. Ich will mich anziehen.“ Lyle grinste und kam auf sie zu.

Lauren wich zurück. „Lass das“, forderte sie ihn auf. „

Ich mach doch gar nichts.“ Er klang amüsiert, kam noch näher und Lauren wich weiter zurück, bis sie gegen den Türrahmen der Badezimmertür stieß. Da war Lyle dicht vor ihr, er stützte sich mit beiden Händen am Türrahmen ab. Lauren atmete seinen herben Duft ein und schloss für Sekunden die Augen. Lyle bemerkte es und grinste noch breiter. Er wusste wie er auf sie wirkte, immer gewirkt hatte.

„Spar Dir Deinen Charme, er wirkt nicht mehr“, sagte Lauren und versuchte ihrer Stimme einen festen Klang zu geben.

„Ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen“, gab Lyle zurück. Sein Gesicht kam näher. Lauren atmete heftig. Sie spürte ein Drängen, das sich in ihr aufbaute, und es war heiß und erregend. Sie wusste das es besser war sich ihm jetzt und hier zu entziehen, doch sie konnte nicht. Seine bloße Gegenwart, lähmte sie gerade zu. Lyle reagierte im Bruchteil eines Augenblicks. Seine Arme schlangen sich fest um sie und er vergrub sein Gesicht in ihrem Haar. „Ich will Dich“, flüsterte er, „jetzt.“

Lauren hatte seine Worte kaum registriert, als er mit einer Hand ihr Gesicht anhob und sie küsste, während Laurens Herz sich zu überschlagen schien. Lyle beendete den Kuss. Ihre Blicke trafen sich. „Und Du willst mich ebenso“, behauptete er. Noch ehe Lauren etwas erwidern konnte, küsste er sie wieder, diesmal stürmischer und plötzlich wurde sie von den Füßen gerissen. Lyle hob sie hoch. Einen Augenblick später lag sie auf dem Bett. Er war über ihr, presste sich gegen sie und rieb sich verlangend und drängend an ihr. Wieder küsste er sie. Der Kuss verlief außer Kontrolle. Noch nie zuvor hatte er sie so geküsst und ihr berauschter Verstand fasste den Gedanken, dass sie ihn wirklich wollte – das sie ihn noch nie so sehr gewollt hatte. Eine seiner Hände glitt über ihren Schritt, der noch immer mit dem Badetuch bedeckt war und gleich darauf wühlten sich seine Finger unter das Tuch. Lauren keuchte vor Schreck und Erregung, als er sie mehrmals streichelte und sie schließlich mit gespreizten Fingern hart und besitzergreifend umschloss. Lauren nahm seinen Kopf in beide Hände und beendete den leidenschaftlichen Kuss. Sie zitterte und war ganz benommen. Sie dachte nur: Ich kann nicht mehr warten.

„Doch das kannst Du“, sagte Lyle mit rauer Stimme. Lauren wurde klar, das sie laut gedacht hatte und ihre Augen versanken in seinem blauen wild gewordenen Blick. Sein Zeigefinger strich über ihre empfindsamste Stelle. Lauren konnte sich nicht bewegen. Sie konnte nur keuchen – benommen von dem wilden Glücksgefühl in ihrem Körper. Lyle lächelte sie an und beobachtete gebannt jeden Ausdrucks ihres Gesichts. „Oh Gott“, hauchte Lauren, während er sie wieder und wieder so gekonnt verwöhnte.

„Wo soll das enden?“ Fragte sie ihn heiser. „Nicht denken!“ Gab er zurück und zog seine Hand weg, gleich darauf spürte sie, wie er ihre Handfläche gegen die Erektion drückte, die seinen Reißverschluss sprengen wollte.

Sie spürte, wie er sich gegen den Stoff beulte und zerrte ungeduldig an dem Reißverschluss. Lyle zerrte ihr das Badetuch vom Leib. Lauren bekam endlich seine Hose auf und schob sie ihm über die Hüfte hinunter. Sie bog sich etwas nach oben und leckte über den Baumwollstoff seines Slips, wo sie sich über seinen prallen Penis spannte, sie wollte mit der Zunge daran. Lauren wusste das er recht hatte – nicht denken – nur genießen. Lyle riss sich die Hose herunter und brachte sich über ihr Gesicht, damit sie bekam was sie wollte – Lauren schmeckte ihn, ganz und gar, nahm ihn tief in sich auf. Sie schmeckte Salz und Schweiß und Sperma. Etwas in ihr explodierte und sie merkte, das sie zu schluchzen begann, aber sie schluchzte nicht vor Schmerz, sondern vor Verlangen. Lyle spreizte ihre Schenkel und drängte sich in sie. Sofort schaukelten sich Laurens Wogen der Lust noch höher auf. Sie zuckte, als sie spürte wie er sich zurückzog, ihre Hüfte zu sich hob und sein Gesicht zwischen ihren Schenkeln vergrub. Unter seiner heftig arbeitenden Zunge kündigte sich Laurens Orgasmus an. Sie war wie gelähmt, und das lag nicht nur an seinem eisernen Griff um ihre Hüften.

„Oh“, stöhnte Lauren, als Lyle sich wieder über sie hob um in sie einzudringen. Er stieß tief in sie hinein. „Ich bin derjenige der nicht warten kann“, sagte er heiser und hielt inne um sie anzusehen. Aber seine angespannten Züge und seine brennenden Augen nahm sie nur entfernt wahr. Der Orgasmus hallte noch in ihr nach. Sie war noch nie so schnell, so schamlos gekommen. Ungläubig spürte Lauren das sich in ihr schon wieder das drängende Verlangen erhob. Lyle bewegte sich. Lauren umklammerte seine Schultern mit eisernen Griff. Er trug noch immer sein Hemd, und der Stoff war schweißnass. Jeder Muskel und jede Sehne war durch den nassen Stoff deutlich zu erkennen. Plötzlich zog er sie an sich, drang tiefer und noch tiefer, hielt sie ganz fest, bebte in ihr. Lauren fühlte den Abgrund kommen, stürzte hinein und begann ins Bodenlose zu fallen.

„Dreh dich um“, sagte er fordernd, zog sich zurück und drehte sie auf die Knie herum. Sie hätte ihn dafür erwürgen können, dass er sich zurückzog, aber dann war er wieder in ihr, seine Hand in ihrem Schritt spreizte weit ihre Lippen und er stieß immer schneller, und Lauren fiel, ins Endlose. Sie hörte ihre eigenen Schreie kaum, während Lyle hinter ihr stöhnend immer und immer wieder zustieß, bis er sie schließlich aufs Bett sinken ließ und über ihr zusammenbrach. Er wurde sehr still. Lauren lauschte ihrem donnernden Herzschlag und konnte sich nicht rühren. Ihr erster klarer Gedanke war, das sie den Verstand verloren hatte, sich ihm so hinzugeben. Sein warmer Körper bedeckte sie, er umarmte sie, die Hände auf ihren Brüsten. Sie atmete noch immer schwer, als er herunterrollte. „Hab ich Dir wehgetan?“ Flüsterte Lyle. Lauren musste unwillkürlich lächeln - das hatte ihn früher auch nie gestört. „Nein“, gab sie ihm dennoch flüsternd Antwort. Er schaute sie an ohne ein Wort zu sagen. Dann streckte er seinen Arm aus und zog sie an sich. Lauren schlief zuerst ein.


Lyle schreckte verwirrt aus seinem Schlaf hoch. Er richtete sich auf und strich sich das schweißnasse Haar aus dem Gesicht. Der reinste Alptraum! Ein weißes Haus am Strand, ein Hund der dösend in der Sonne lag und sein Sohn, der im Sand spielte. An sich war an dem Traum nichts schlimmes, ließ man Lyles bisheriges Leben mal außer Acht. Lyle der auf seinem Weg Leichen, Betrügerein und Erpressungen hinterlassen hatte. Doch das, was ihn an dem Traum am meisten zu schaffen machte, war die Frau die darin vorkam. Lauren!

Lyle atmete heftig und legte sich wieder hin, sein Blick fiel auf die neben ihm schlafende Lauren. Ihr Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig. Sie sah so friedlich aus. Lyle wusste das dieser Anblick täuschte, er kannte sie schließlich gut genug. Und plötzlich wusste er warum er sich damals für Brigitte entschieden hatte! Mit Lauren hätte er nur Schwierigkeiten mit seinen eigenen Gefühlen ihr gegenüber bekommen. Lyle drehte sich auf die andere Seite um Lauren nicht länger ansehen zu müssen. Die zurück liegenden Stunden hatten es bewiesen. Lyle konnte sich nicht erinnern, sie in ihrer gemeinsamen Zeit in London jemals so geliebt zu haben, wie er es vor einigen Stunden getan hatte. Was war nur in ihn gefahren? Fast hoffte er sie würde weg sein, wenn er aufwachte. Irgendwann schlief Lyle schließlich wieder ein.


Lauren hatte sich leise aus dem Bett geschlichen um Lyle nicht zu wecken. Mit ihrer Kleidung in der Hand ging sie ins Wohnzimmer um sich an zu ziehen. Ihre Gedanken glitten zurück. Die vergangene Nacht war ein Riesenfehler gewesen. Denn es war besser gewesen, als sie es mit ihm in Erinnerung hatte – und ein Teil von ihr dachte bereits an eine weitere Nacht in Lyles Armen. Ihr hätte klar sein müssen, dass sie nicht mit ihm ins Bett gehen konnte, ohne erneut etwas für ihn zu empfinden und schon war es passiert, gegen ihren Willen und gegen besseres Wissen. Den einzigen Weg den es für sie gab, war zu gehen.

Als sie Brigitte ihr Versprechen gegeben hatte, hatte sie nicht ahnen können, das ihre Gefühle für Lyle wieder so heftig in ihr hochkommen würden. Lauren bändigte ihr langes Haar mit einem Band zu einem Zopf und zog ihre Jacke über.

„Warum hast Du das Centre verlassen?“ Erklang Lyles Stimme vom Schlafzimmer her. Lauren fuhr erschrocken zu ihm herum.

Sie sah ihn an. „Wieso interessiert Dich das?“ Fragte sie zurück.

Lyle trug nur seine Hose und kam auf sie zu. „Hat mich schon interessiert, als Brigitte es mir gesagt hat.“

„Das Centre hat mir eine gute Ausbildung eingebracht, mehr wollte ich nicht. Als Freiberufler verdient man mehr und was noch wichtiger ist, man kann sich seine Kunden selbst aussuchen. Zufrieden?“ Lyle nickte. Lauren stand etwas unschlüssig neben ihn, schließlich raffte sie sich auf.

„Na dann, leb wohl.“ Sie wandte sich zum Gehen. Und obwohl er in der Nacht noch von der Hoffung beseelt war, das sie ging, wollte er sie jetzt nicht gehen lassen. Er griff nach ihr und bekam sie am Arm zu fassen.

„Wo willst Du hin mit meinem Sohn?“

Sie sah ihn an. „Es wäre mir lieb, wenn Du Dir endlich einen Namen aussuchen würdest, dann müssten wir nicht ständig von ihm reden, als wäre er ein Möbelstück.“

„Mir... mir fällt kein passender Name ein“, gestand Lyle.

„Na schön, dann übernehme ich das eben auch noch.“ Lauren machte sich aus seinem Griff frei und ging ohne ein weiteres Wort des Abschieds aus seiner Wohnung. Lyle hielt sie nicht zurück.


Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis der Aufzug nach oben kam. Lauren stand vor dem Aufzug und schlug mehrere Male ungehalten mit der Hand auf den Knopf. „Nun komm schon“, brummte sie.


Lyle stand am Fenster und sah hinaus. Jetzt war sie auf dem Weg nach unten. Bilder zogen an ihm vorüber. Das Centre und das weiße Haus irgendwo am Strand. Er schüttelte den Kopf um die Bilder zu verscheuchen.


Der Aufzug hielt in der Tiefgarage. Lauren hielt es für besser das Haus nicht durch die Eingangstür zu verlassen. Ihre Schritte hallten hohl in der Garage wieder. `Du wusstest doch, das er sich nicht ändern wird` schalt sie sich selbst.


Die Vergangenheit holte Lyle ein. Sein Leben bei seinen Stiefeltern. Das so glücklich zu verlaufen schien, bis Raines kam! Lyle seufzte. Lauren würde auf seinen Sohn achten, daran gab es keinen Zweifel. Sie würde ihn beschützen und dafür sorgen, das ein normales Leben vor ihm lag. Normal? Ohne Vater – ohne Mutter! Lauren musste jetzt in der Tiefgarage sein.


Lauren öffnete die Hintertür und trat ins Tageslicht. Im ersten Augenblick musste sie blinzeln um von der Sonne nicht geblendet zu werden. Sie blieb kurz stehen. Ihr Blick fiel in den wolkenlosen Himmel. „Dumme Gans, zögere es nicht hinaus. Er wird nicht kommen.“ Murmelte sie vor sich hin.


Kannte Brigitte ihn besser, als er sich selbst kannte? Warum hatte sie diesen letzten Wunsch geäußert? Woher nahm sie den Glauben, das er sein Leben umstellen würde nur wegen eines Babys? „Weiber“, fauchte Lyle und ging ins Schlafzimmer um sich etwas über zu ziehen. Ob Lauren mit dem eigenen Auto gekommen war?


Lauren ging mit langsamen Schritten durch den kleinen Park, der hinter dem Haus lag und zur nächsten Hauptstraße führte. Dort würde sie ein Taxi bekommen.


Als Lyle ins Wohnzimmer zurück kehrte, überkam ihm plötzlich das Gefühl von Verlorenheit – Einsamkeit! „Nein.“ Hörte er sich selbst sagen. Und ehe er sich versah war er auf dem Weg zur Tiefgarage.


`Verflixt, was ist denn heute mit den Taxis los` Lauren machte kurzentschlossen einen Schritt auf die Straße und winkte.


Lyle wartete gar nicht erst auf den Aufzug, er stürmte die Treppen hinunter. Schweratmend kam er vor dem Haus an. Er suchte mit seinen Blicken nach dem Wagen von Lauren. Nichts! Vielleicht war sie schon auf der Hauptstraße. Lyle rannte los.


Lauren schlug die Tür zu und das Taxi fuhr los. Als sie auf dem Gehsteig einen ziemlich außer Puste stehenden Lyle sah. Sie glaubte ihren Augen nicht zu trauen. „Halten Sie.“ Befahl sie dem Taxifahrer, der augenblicklich auf die Bremse stieg und etwas unverständliches vor sich hin brummte. Lauren öffnete die Tür, des Taxis, das genau vor Lyle zum Stillstand gekommen war.


„Brauchst Du eine Mitfahrgelegenheit, oder trainierst Du für den Marathon?“ Fragte Lauren und verkniff sich ein Lächeln. Lyle schnaufte noch immer schwer. Wortlos stieg er ein. Sie sahen sich an. „Bist Du Dir ganz sicher?“ Wollte sie dann wissen

„Ja! Aber lass ihn weiterfahren, bevor ich es mir anders überlege.“ Sagte Lyle. Endlich konnte er wieder normal atmen. „Wo willst Du hin?“ Fragte Lyle.

„Alexander holen und dann weg, vielleicht Europa?“ Lyle legte seinen Kopf schief.

„Schlag Dir Europa aus dem Kopf. Ich weiß was besseres.“ „Was denn?“ „Lass Dich überraschen.“ Lauren seufzte, da kam es von Lyle: „Alexander?“

„Wenn Dir der Name nicht gefällt, überleg Dir endlich was.“ Forderte ihn Lauren auf.

„Nein, Alexander Parker klingt gut.“ Fand Lyle.

„Parker?“ Echote Lauren. „Willst Du ihm Deinen Namen geben?“

„Warum nicht, dann hat er alles was er braucht. Einen Namen, einen Vater – und eine Mutter.“ Sein fragender Blick lag auf ihr. „Okay“, stimmte Lauren, nach einer Weile des Schweigens leise zu.

Was auch immer kommen würde, einen Versuch war es wert!



Ende











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